Aladins Wunderlampe: Leben und Hoffnung für die Menschen in Basra  
     
 

Irak im Herbst und Winter 2007/2008

Die militärische Kontrolle über die Provinz Basra wurde Mitte Dezember 2007 von den Briten in die Hände der Iraker übergeben. Dieser Zeitpunkt wurde von den einen herbeigesehnt, von den anderen gefürchtet. Die Stadt wird von Milizen regiert und noch bleibt die weitere Entwicklung offen, die Bevölkerung fürchtet, dass es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Milizen und der irakischen Armee kommen wird. Auch das konnte man in den internationalen Medien lesen: 49 Frauenleichen wurden im Lauf der letzten Monate in Basra aufgefunden, es handelte sich fast durchwegs um berufstätige Frauen. Auch Ärzte standen wieder im Visier von unbekannten Verbrechern, etliche wurden ermordet aufgefunden. Und die Mutter des 6jährigen Mustafa, der derzeit in Wien zur Herzoperation ist, erzählte, wie Mustafa vor kurzem an der Hand seines Vaters eine Männerleiche auf einem Müllhaufen sah – Alltag in Basra, Alltag im Irak.

Irak: eine verzweifelte Situation – so bezeichnete das Internationale Komitee vom Roten Kreuz die humanitäre Situation im Land im Herbst 2007. Die Kindersterblichkeit ist gegenüber 1990 um 150 Prozent angestiegen, mehr als in jedem anderen Land der Erde, und so starben z.B. im Jahr 2005 im Irak 122.000 Kinder bevor sie ihr fünftes Lebensjahr erreichten. Und das Gesundheitssystem verschlechtert sich immer weiter, mehr als die Hälfte der Ärzte(!) hat das Land verlassen, man findet kaum mehr Fachärzte im Irak. Die Unterernährung der Kinder zeigt einen alarmierenden Anstieg, er wird sich weiter fortsetzen, denn die Lebensmittelverteilung wird im Jahr 2008 drastisch gekürzt - und von ihr hängen unzählige Familien ab.

Kinderspital Basra

Auch in unserem Kinderspital gibt es kein Anzeichen einer Verbesserung, im Gegenteil. Noch immer gibt es unzählige Binnenflüchtlinge in Basra und die Ärzte in den Spitälern müssen mit den hohen Patientenzahlen kämpfen. Mehr als eine Million Menschen ist in den Süden des Landes geflüchtet. Auf der Kinderkrebsstation gibt es fast immer durchschnittlich 45 Patienten bei nur 30 Betten und so müssen viele kleine, abwehrgeschwächte Kinder auf dem Boden liegen. Und noch immer, wie schon seit vielen Jahren, fehlen die Medikamente – und jene, die ich im März 2007 gebracht hatten, waren im Dezember schon großteils aufgebraucht. Selbst aus Bagdad brachte man Kinder zur Behandlung der Tropenerkrankung Kala Azar, weil ihre Eltern gehört hatte, es gäbe nur ein Spital im Irak, wo die Behandlung möglich ist, und das ist in Basra. Dort aber waren unsere Vorräte aufgrund des hohen Ansturms von Patienten erschöpft.

Ein neuer Hilfstransport

Im September 2007, als die Finanzierung gesichert war, begannen die Vorbereitungen für den nächsten Medikamentenhilfstransport. Eine derartig große Menge an Medikamenten einzukaufen bedarf einiger Zeit, aber dann, nur wenige Tage vor Weihnachten, nämlich am 21. Dezember 2007 verließ eine Ladung Medikamente im Wert von mehr als Euro 150.000 Europa Richtung Kuwait. Bedingt durch das islamische Eid-Fest kamen die Medikamente zunächst für einige Tage ins Lager am Flughafen Kuwait, um dann am 31. Dezember in einen LKW verladen und Richtung Irak geschickt zu werden. Erstmals konnten wir mit einer japanischen Organisation zusammenarbeiten, die zusätzlich Medikamente im Wert von 50.000 Dollar zur Verfügung stellen konnte, aber nicht die Möglichkeit hatte, sie in den Irak zu transportieren, unsere beiden Sendungen wurden nun in Kuwait vereinigt.

An der irakischen Grenze kam es aber zu unzähligen Problemen, deren Lösung bis zum 2. Januar 2008 dauern sollte. Am späten Nachmittag dieses Tages war es aber dann so weit: die Medikamente waren im Kinderspital in Basra angekommen, nach unzähligen Telefonaten und ebenso vielen e-Mails. Wie ich dann am nächsten Tag erfuhr, wurden noch am selben Abend viele Kinder mit diesen Medikamenten behandelt. Wieder einmal war es geschafft, dieses Mal sogar aus der Distanz und ausschließlich mit Hilfe der irakischen Ärzte vor Ort – und unserem großzügigen Helfer in Kuwait. Für einige Monate ist nun wieder der Bedarf an Medikamenten gesichert, wir dürfen aufatmen, dass es wieder einmal gut gegangen ist.

Durch wiederholte Vorträge in der Schweiz kam ich in Kontakt mit Ärzten des Kantonspitals in Chur. Diese luden nicht nur Dr. F. aus einem Kinderspital im Südirak für einige Wochen zur Fortbildung nach Chur ein, sondern gründeten spontan auch eine Gruppe, die beschloss Medikamente für ein anderes, kleineres Krankenhaus im Südirak, nämlich für das Spital in Qurna (am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris gelegen), zu finanzieren. Diese Medikamente im Wert von Euro 6.000 wurden meinem Hilfstransport mitgegeben und haben ebenfalls mittlerweile sicher das Krankenhaus in Qurna erreicht. Und auch für die Armenapotheke der chaldäischen Kirche, die nach der Abberufung von Erzbischof Kassab nun von Father Emad geleitet wird, konnten wir aufgrund der Spende einer Pharmafirma und der Vermittlung von deutschen Ärzten, zwei große Kartons mit Medikamenten schicken. Auch diese haben die Armenapotheke, wo Mittellose gratis Medikamente gegen Vorlage eines ärztlichen Rezeptes erhalten, erreicht.
 

Danke

allen Spendern, vor allem Caritas Österreich, Ein Herz für Kinder (Deutschland), Glaube in der zweiten Welt (Schweiz), Euro-Arabischer Freundeskreis (München), Difäm (Tübingen), der Firma Mundipharma Wien und allen anderen Spendern, die hier nicht namentlich angeführt werden können.


Wenn endlich nach langer, harter Arbeit ein Hilfstransport in Basra angekommen ist, ist man unglaublich erleichtert. Aber schon am nächsten Tag beginnen die Sorgen, denn dieser Hilfstransport hat natürlich - fast – alle Geldreserven aufgebraucht. Wie wird die nächste Medikamentensendung finanziert werden? Vor wenigen Monaten erreichte mich eine e-Mail eines Vaters eines chronisch kranken Kindes aus Basra und die Zeilen, die er schreibt, lassen uns ein wenig ahnen, wie wichtig unsere Hilfe für die Menschen in Basra ist.

„Wir danken Euch für Eure Hilfe und für Euer Mitgefühl. Zu wissen, dass Ihr uns nicht vergessen habt, gibt uns die Kraft, gegen die furchtbaren Dinge, die bei uns passieren, aufzustehen, in diesen, für unser Land so dunklen Tagen… Ihr gebt uns Hoffnung in unserer tiefsten Verzweiflung… Ihr gebt unseren Kindern das Leben zurück. Ich weiß nicht, wie wir ohne Euch hier überleben könnten.“
 

 
 

Lesen Sie auch...
Liste der Medikamente, die im Dezember 2007 in das Kinderspital nach Basra geschickt wurden

Liste der Medikamente für die Armenapotheke der chaldäischen Kirche in Basra

Fotos von der Ankunft der Medikamente

 
     

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte unsere Projektleiterin, Frau Dr. Eva-Maria HOBIGER

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