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Die Geschichte
 eines Hilfsprojektes
 in einem konfliktbeladenen Land

 
   
     
 

Im Februar 2001 reiste ich erstmals in den Irak. Aufgrund einer Einladung der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen hielt ich einen Vortrag an der medizinischen Fakultät der Universität Bagdad. Diese Reise brachte mir die Gelegenheit, mehrere irakische Krankenhäuser zu besuchen und so kam ich auch nach Basra in das Ibn Ghazwan Mutter-Kind-Spital. Das was ich dort vorfand, war erschütternd. Tief betroffen stand ich vor einem sterbenden Mädchen, das an Leukämie litt, aber an einer banalen Komplikation starb – eine Komplikation, die ich unzählige Male im Laufe meines Berufes behandeln konnte, eine Routinesituation in einem westeuropäischen Spital. Im Krankenhaus in Basra aber fehlte es an allem, was nötig war zur Behandlung: an Medikamenten, an Geräten, an Hygiene und oft auch an Fachwissen. Das Fehlen eines Gerätes kostete der neunjährigen Fatima das Leben. Ihre Mutter verlor das vierte Kind innerhalb weniger Jahre, sie stand im Schmerz erstarrt neben ihrer sterbenden Tochter. Nie im Leben werde ich diese Situation vergessen: Am Bettende stand eine hilflose Ärztin, Prof. Jenan Ghalib Hassan, die Leiterin der Kinderkrebsabteilung, und sie flehte mich an: „Helft uns! Wir verlieren alle unsere kranken Kinder!“

In der Region Basra ist seit 1996/97 ein kontinuierliches Ansteigen der Fallzahl an Leukämie und Krebserkrankungen v.a. bei Kindern zu verzeichnen. Laut Angabe der irakischen Ärzte werden derzeit etwa sechsmal so viele leukämiekranke Kinder im Krankenhaus aufgenommen als vor 1990. Während der Zeit des Embargos war es kein einziges Mal möglich, eine komplette Chemotherapie durchzuführen, was dazu führte, dass praktisch alle betroffenen Kinder binnen kurzer Zeit verstarben, häufig oft schon wenige Wochen nach Diagnosestellung. Zum Vergleich: In Westeuropa beträgt die Heilungschancen von kindlicher Leukämie fast 90 %! Der Irak hatte in den Siebziger- und Achtzigerjahren ein hervorragendes Gesundheitssystem, das als beispielhaft für die gesamte Region galt. Die Innenpolitik des Landes sowie die Politik des Westens gegenüber dem Irak haben in den letzten zwei Jahrzehnten gründliche Arbeit geleistet: der Irak, der die zweitgrößten Erdölreserven dieser Erde besitzt,  befindet sich nun auf der Stufe eines Entwicklungslandes.

 
 
Fatima

 

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  Aladins Wunderlampe wird geboren  
 

Zurück in Österreich kontaktierte ich das Österreichische Rote Kreuz und es stellte sich heraus, dass zwei Zentrifugen zur Blutseparation abgegeben werden konnte, genau die Geräte, die so dringend in Basra gebraucht wurden. Unser Hilfsprojekt war geboren. Ich suchte nach einem passenden Projektnamen: er sollte kindgerecht und orientbezogen sein, er sollte aber auch etwas von der Hoffnung, die wir den kranken Kindern und deren Eltern mit unserer Hilfe bringen wollten, ausdrücken: „Aladins Wunderlampe“ war geboren. Dass zur Realisierung dieses Projektes auch noch der Begriff „Wunder“ notwendig werden sollte, war damals allerdings noch nicht absehbar. Die Schwierigkeiten, mit denen wir uns innerhalb der letzten drei Jahre konfrontiert sahen, schienen zeitweise tatsächlich unüberwindbar und forderten unseren ganzen Einsatz an Phantasie und Kreativität.

Im Juli 2001 reisten wir wieder in den Irak mit der Absicht, eine genaue Bedarfserhebung durchzuführen, um nicht nur die Geräte bereitzustellen, sondern auch sicherzustellen, dass sie betrieben werden konnten. Es stellte sich heraus, dass vor der Aufstellung der Geräte eine Teilrenovierung der Blutbank in Basra erforderlich war. Wir erteilten den Auftrag zu diesen Arbeiten, deren Durchführung einige Monate in Anspruch nehmen sollten. Danach organisierten wir Krankenhausbetten, neue Matratzen und verschiedene kleinere medizinische Geräte und Hilfsmittel. Es war September 2001, als wir uns eben anschickten, den ersten Hilfstransport versandbereit zu machen. Der 11. September 2001 verhinderte das, keine Spedition nahm einen Auftrag für eine Lieferung in diese Region an. Als neuen Termin fassten wir den Januar 2002 ins Auge. Ein dringend benötigter Plasmagefrierschrank wurde von der Erzdiözese Wien gespendet.

 
 
Krankenzimmer
Februar 2001
Krankenzimmer
November 2003
 
     
  Kollateralschäden  
 

In den ersten Januartagen 2002 beantragten wir eine Ausfuhrgenehmigung für unsere Hilfsgüter. Aufgrund der seit 1991 gegen den Irak bestehenden Sanktionen musste jeder Import in den Irak vom UN-Sanktionenkomitee in New York genehmigt werden. Wir dachten, das wäre eine Sache von zwei Wochen – aber das völlig Unerwartete geschah: Der US-amerikanische Vertreter im Sanktionenkomitee legte Einspruch gegen praktisch alle wichtigen medizinischen Geräte ein – u.a. waren die Blutzentrifugen und der Plasmagefrierschrank betroffen -  die Hilfslieferung wurde uns somit verboten. Als Grund wurde eine mögliche militärische Nutzung der Geräte angegeben, eine mehr als kuriose Begründung. Was danach folgte, klingt unglaublich, ist aber Tatsache: ein Schriftverkehr, der ein Jahr lang dauerte und einen verzweifelten Versuch unsererseits darstellte, die Hilfsgüter, die in unserem Lager waren und die in Basra dringendst benötigt wurden, an den Ort der Bestimmung zu bringen. Wie auch könnte man eine unmenschliche Regelung widerspruchslos hinnehmen, die krebskranken Kindern eine Behandlung verweigert! Die Erlebnisse machten uns oft sprachlos. So wurden u.a. die UNO-Waffeninspektoren mit der Angelegenheit befasst. Sie konstatierten eine völlige Unbedenklichkeit unserer Geräte und meinten, es spräche nichts dagegen, diese in den Irak zu bringen. Wir verpflichteten uns, regelmäßig in den Irak zu reisen und Berichte an das Sanktionskomitee über eine ordnungsgemäße Verwendung der Geräte zu schicken, das Büro des UN-Koordinators in Bagdad willigte ebenfalls ein, diese Verwendung zu kontrollieren. Herr Edlinger reiste nach New York, um den amerikanischen Vertreter des Sanktionskomitees zu treffen, das Gespräch verlief ebenfalls erfolglos. Dass inzwischen Kinder starben, für die Hilfe in Wien bereitstand und Lagerkosten verursachte – wen von den Entscheidungsträgern interessierte das?

Die Monate vergingen, ein neuerlicher Krieg zeichnete sich ab und es war klar, wie dieser enden würde. Wir entschlossen uns im September 2002 zu einer weiteren Reise in den Irak, um den Menschen zu sagen, dass wir sie nicht vergessen hatten und um ihnen zu erzählen, warum wir nicht schon längst Hilfe gebracht hatten. Im Verlauf dieser Reise wurden wir mit einer anderen haarsträubenden Situation konfrontiert: Kala Azar, eine Tropenerkrankung, die in den Elendsvierteln dieser Erde auftritt, wird durch Mücken übertragen und galt infolge von breitflächigen Mückenbekämpfungsprogrammen als ausgerottet im Irak vor 1991. Insektizide aber galten als militärisch nutzbar, ihr Import war aufgrund der Sanktionsbestimmungen nicht erlaubt und so stieg die Erkrankungsrate an Kala Azar beständig. Tausende irakische Kinder waren betroffen. Es handelt sich dabei v.a. um Kleinkinder, die infolge von Mangelernährung und schlechten hygienischen Verhältnissen besonders gefährdet sind. Das Medikament „Pentostam“, das in allen Fällen zur kompletten Heilung führt, war im Irak nicht verfügbar und somit starben alle an Kala Azar erkrankten Kinder. Die erfolgreiche Behandlung kostete ca. 15 Euro. In diesem Fall sollte Helfen leicht sein – so war unsere Überlegung - und wir haben die Verpflichtung übernommen, parallel zu unserer Hilfe für die krebskranken Kinder in Basra, auch den Pentostambedarf für das Kinderspital in Basra zu übernehmen. Wie schwierig die Beschaffung dieses Medikamentes zunächst werden sollte, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehbar.

 
 
Blutbank Juli 2001 Blutbank November 2003 Blutbank November 2003
 
     
 

Gegen Unrecht und Gewalt

 
 

Wenn ein Gesetz zu einem schweren Unrecht wird, so hat man die Pflicht, dieses Gesetz zu brechen, davon bin ich zutiefst überzeugt. Ein Jahr lang währte der Kampf gegen eine unmenschliche Entscheidung des UN-Sanktionenkomitees.  Das Embargo, das anfänglich zweifelsohne gerechtfertigt war,  hatte ein ganzes Volk zerstört, seine Gesellschaft zersetzt, „die Seelen der Menschen zerstört“ wie es der Erzbischof von Basra ausdrückt. Es hatte nicht das Regime getroffen, es traf im besonderen die Schwächsten der Gesellschaft: kranke Kinder. Dem galt es entgegenzutreten: Im November 2002 schickten wir die Hilfsgüter, deren Import in den Irak uns vom Sanktionskomitee erlaubt worden war, mittels zweier Container auf dem Seeweg nach Basra. Am Christtag verließen die nicht erlaubten  Geräte per Flugzeug Wien.

 Schwierigkeiten gab es selbstverständlich auch mit den irakischen Behörden, das begann bereits an der Grenze, wo wir stundenlange Diskussionen führen mussten und uns beharrlich den versteckten Aufforderungen zum Bezahlen von Schmiergeldern verweigerten. Endlose Bürokratismen waren zu vollziehen, der Erlaubnis, die Hilfsgüter nach Basra zu bringen, ging jedes Mal ein persönliches Gespräch mit dem irakischen Gesundheitsminister voraus. Vom Ausgang dieses Gespräches konnte man nie sicher sein  - und doch haben wir nie auch nur einen einzigen Dollar Schmiergeld bezahlt und wir haben alle unsere Hilfsgüter an den Bestimmungsort gebracht.

Die Stimmung im Land im Januar 2003 war vernichtend: ein Volk, das in panischer Angst lebte vor dem drohenden Krieg und diese Angst nur hinter vorgehaltener Hand äußern konnte. Der Krieg hatte längst begonnen in Form eines Psychokrieges. Der Fliegeralarm in Basra war Alltag geworden, Tag und Nacht heulten die Sirenen.  Unsere Reise Anfang Januar 2003 war von vielen Fragen und Zweifeln überschattet. Würde es zum Krieg kommen, womöglich noch während unseres Aufenthaltes?  Vier Wochen später verlasse ich den Irak mit gemischten Gefühlen: unsere Mission war erfolgreich, alle Hilfsgüter waren angekommen, alle Geräte funktionierten. Über allem aber stand die Frage: wird ein Krieg in unmittelbarer Zukunft alles wieder zerstören, was wir so mühsam aufgebaut haben? War es richtig, unsere Hilfsgüter gerade jetzt in den Irak zu bringen?

 
 
Ankunft der Container
Januar 2003
Ankunft
Hilfstransport
Februar 2003
 
     
 

Dann werden wir im Dunkeln leben

 
 

Die politische Lage spitzte sich mehr und mehr zu, ein Krieg schien unausweichlich. Knappe vier Wochen nach meiner Rückkehr reiste ich wieder in das Krisengebiet:. In Amman warteten 506 kg Medikamente auf den Weitertransport nach Basra, eine Spende der Diakonie Deutschland. Lebenswichtige krebshemmende Medikamente, dringend benötigt in Basra. Der 15. Februar 2003 brachte die größte Friedensdemonstration unserer Geschichte, weltweit sollen rund 15 Millionen Menschen in über 700 Städten für den Frieden unterwegs gewesen sein – ein guter Auftakt für meine Reise, die am nächsten Tag begann. Die folgenden sieben Tage sollten meine Geduldreserven bis aufs Äußerste ausschöpfen. Die irakische Bürokratie, die ohnehin schon immer seltsame Blüten trieb, war völlig gelähmt, schließlich erhielt ich aber doch die Erlaubnis vom Ministerbüro, die Medikamente nach Basra zu bringen.

Erstmals seit 12 Jahren fühle sie sich wieder als Ärztin, meinte Dr. Jenan, am Tag nach meiner Ankunft. Stolz zeigte sie mir die Therapieprotokolle: alle Medikamente, die erforderlich sind zur Leukämiebehandlung, waren nun vorhanden, erstmals seit 12 Jahren. Die Frau, die wohl mehr Kinder sterben sah im Laufe dieser 12 Jahre als irgendein General dieser Erde, kämpfte gegen Tränen der Rührung. Hatte ich bis jetzt dieses Krankenhaus immer mit einem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit verlassen, so begann ich nun erstmals Hoffnung zu haben, es war eine Hoffnung gegen die Hoffnungslosigkeit, denn der Abschied von Basra schmerzt. Ich kenne die Antwort nicht auf die Frage, die mir so oft gestellt wird: Wann kommst du wieder? Denn wir alle wissen, dass es Krieg geben wird und zwar bald. Es ist nicht leicht, gehen zu können und Freunde zurückzulassen. Angst, nein Panik lag über dem Land und lähmte alle und alles.

 
 
Erneuerung des Fußbodens
November 2003
Instruktion an den medizinischen Geräten Technische Überprüfung der Geräte Lagerhalle nach Ankunft des Hilfstransportes
November 2003
 
     
  Am Vorabend des Krieges  
  Als ich am 28. Februar 2003 nach Wien zurückkehrte, fand ich 130 Packungen Pentostam vor, das Medikament gegen Kala Azar, auf das ich seit viereinhalb Monaten gewartet hatte. Gesetzesvorlagen der britischen Regierung hatte die Lieferung verzögert – wie viele Kinder waren deswegen inzwischen in Basra an Kala Azar gestorben? Mit dieser Menge konnte man etwa 500 Kinder behandeln – und heilen.  Die Bedenkzeit war nur kurz: ich musste innerhalb der nächsten Tage nochmals in den Irak reisen, entgegen aller Warnungen. Das Medikament wurde dringendst gebraucht – wer von uns konnte wissen, wie lange der Krieg dauern würde? Mit einem der letzten Flüge von Bagdad nach Basra komme ich am 10. März dort an. Hier herrscht bereits der Ausnahmezustand, den Ärzten wurde das Verlassen des Spitals verboten, der Strom fällt immer wieder aus, Flugzeugschwärme überfliegen die Stadt. Den Menschen steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, sie erwarten stündlich den Kriegsbeginn. Der Erzbischof von Basra, Gabriel Kassab, beschwört mich, morgen früh abzureisen. Beim Abschied weinen wir beide, Dr. Jenan und ich.  „Werden wir uns wiedersehen?“ - es war Jenan, die diese Frage aussprach.  300.000 Soldaten warten nur wenige Kilometer von Basra entfernt auf den Marschbefehl. Wenige Tage vor Kriegsbeginn verlasse ich den Irak mit dem Auto, denn es gibt keinen Flug nach Damaskus oder Amman mehr.  
     
  Menschen ohne Hoffnung  
 

Am 20. März 2003 um 5.35 Uhr morgens (Lokalzeit Bagdad) starben die Hoffnungen aller, die sich im Laufe der vergangenen Monate für eine friedliche Lösung der Irakproblematik eingesetzt hatten. Das Bombardement Bagdads hatte begonnen, ebenso der Vormarsch der Bodentruppen vom Süden her. Eine Zeit der quälenden Ungewissheit und der Angst um die Freunde, die zurückgeblieben waren, begann. Plötzlich erlebte unser Hilfsprojekt ungeahnte Popularität. Das Interesse der Medien, das ich mir Monate zuvor gewünscht hätte, als wir versuchten, auf das Unrecht der Sanktionsbestimmungen hinzuweisen, beanspruchte unsere gesamte Zeit. Die Wochen vergingen und am 9. April wurde Bagdad ohne nennenswerten Widerstand eingenommen. Am 27. April 2003 startete ich zu meiner nächsten Irakreise. Der Krieg war zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell für beendet erklärt worden, jedoch gab es nur mehr vereinzelt Kampfhandlungen. Plünderungen hatten viele öffentliche Einrichtungen zerstört. Niemand wusste, was von unserer Arbeit übrig geblieben war  Es gab keine Kontaktmöglichkeit nach Basra und so hielt ich es für notwendig, mich selbst davon zu überzeugen. Im Irak herrschte Anarchie, es gab weder Polizei noch irgendeine Ordnungsmacht. Plünderer hatten mehrmals versucht, „unser“ Spital in Basra zu berauben, aber dem Mut und dem Engagement der Ärzte war es zu verdanken, daß es unversehrt blieb. Unsere Befürchtungen hatten sich nicht bewahrheitet: Alle unsere Hilfsgüter sind noch da, wir müssen nicht noch einmal von vorn beginnen, wir können dort fortsetzen, wo wir vor dem Krieg aufgehört hatten.

Die Menschen aber, die ich vorfand, waren verändert: Die furchtbaren Erlebnisse der letzten Wochen standen in ihren Gesichtern geschrieben, sie standen unter Schock, ja das ganze Land stand unter Schock, konnte man meinen. Zwar waren alle glücklich, endlich das Regime losgeworden zu sein und frei reden zu können, aber aufgrund der miserablen Lebensumstände mangelte es an einer Zukunftsvision.

 
     
  "Wir beneiden die Toten“  
 

Zurück in Österreich begannen für uns sofort die Vorbereitungen für eine Hilfslieferung und am Ende der ersten Juniwoche wurde alles auf die Reise geschickt. Die medizinische Versorgungslage im Irak war miserabel, laut WHO funktionierte sie zu diesem Zeitpunkt  nur mit 20 % ihrer Vorkriegs-Kapazität. Nach einigen Verzögerungen seitens der Spedition und nach viel Zittern meinerseits kamen schließlich trotz all der widrigen äußeren Umstände alle Hilfsgüter in Basra an. Es gab kaum elektrischen Strom in der Stadt und die Stromschwankungen hatten unseren Plasmagefrierschrank beschädigt. Nach einigen Reparaturversuchen war es klar: der Kompressor war kaputt. Überflüssig zu erwähnen, dass ein solcher in Basra nicht erhältlich war. Den mussten wir wohl aus Wien mitbringen bei der nächsten Reise. Verzweifelt versuchten wir nach einem Weg, kranke Kinder, die in Basra nicht behandelt werden konnten, nach Österreich zu bringen. Aber: diese Kinder und ihre Eltern besaßen keine Reisepässe und es gab kein Amt im ganzen Irak, das Reisepässe ausstellen könnte. In den nächsten Wochen versuchten wir eine andere Lösung: die Kinder mit einem Sonderflugzeug direkt aus Basra nach Österreich zu bringen, allerdings erhielten wir keine Landegenehmigung in Basra und so mussten wir diese Idee fallen lassen. Eines der Kinder, das auf unserer Liste zur Behandlung in Österreich stand, starb im September.

 
 
Lagerraum in Wien Ankunft des LKW in Basra Nov. 2003 Entladung des LKW
November 2003
Entladung des LKW
November 2003
 
     
  "Das ist unser Leben...“  
 

Im Spätsommer erklärte sich die Caritas Österreich bereit, Euro 100.000,- für den Ankauf von Medikamenten gegen Krebs bereitzustellen und im November 2003 reiste ich zum sechsten Mal in diesem Jahr in den Irak. Die Hilfslieferung im Wert von fast Euro 200.000,- war bereits unterwegs auf der langen Reise nach Basra. Der Alltag im Irak, sieben Monate nach Kriegsende, ist von Gewalt gezeichnet: Widerstand gegen die Besatzungsmächte und unzählige Gewalttaten gegen die Iraker selbst. Trotz alledem gelingt es auch dieses Mal, alles ans Ziel zu bringen. Die Versorgungslage in den Spitälern ist schlechter als je zuvor. Praktisch alle internationalen Hilfsorganisationen hatten das Land verlassen und die Versorgung von Bagdad aus, ist aufgrund der mangelnden allgemeinen Sicherheit kaum möglich.

Wir veranlassen eine Erneuerung des Fußbodens der gesamten Kinderkrebsabteilung und wir richten ein Spielzimmer für die Kinder ein. Heizkörper für die Krankenzimmer werden gekauft und der Kompressor in der Blutbank wird ausgetauscht, eine Kühlanlage für die Blutzentrifuge (eine Spende des Österreichischen Roten Kreuzes) in der Blutbank wird in Betrieb genommen, weiters zwei Spezialkühlschränke zur Lagerung von Blutkonserven. Die Früchte unserer Arbeit werden sichtbar und Dr. Jenan meint, die Sterblichkeit der leukämiekranken Kinder wäre innerhalb dieses Jahres – seit wir regelmäßig die Medikamente bereitstellen – von praktisch 100 % auf 40 % gesunken, und das trotz des Krieges in diesem Jahr. Ein Erfolg, über den wir uns wirklich freuen und auf den wir auch ein bisschen stolz sein dürfen. Darüber hinaus waren etwa 1500 Kinder mit Kala Azar erfolgreich behandelt worden. Die Bilanz am Ende dieses Jahres sieht für unser Projekt also sehr gut aus. Und das äußerlich sichtbare Zeichen dieses Erfolges: Dort wo früher nur traurige und apathische Kinder waren, sehen wir nun lachende Gesichter – der Dank an alle, die uns geholfen haben, zu helfen.

Dieses Mal verlassen wir den Irak mit vier kranken Kindern und je einem Elternteil. Sie, die dort nicht behandelt werden können, sollen eine optimale Behandlung in Österreich erhalten. Schließlich war es nun doch für Iraker möglich geworden, das Land zu verlassen: ein provisorisches Reisedokument machte es möglich und am 28. November 2003 landen DI Bashar Hindo und ich mit Sarah, Zaynab, Qand und Abdelaziz am Flughafen Wien.

 
 
Einrichtung des Spielzimmers
November 2003
Spielzimmer November 2003 Verteilung der Spielsachen
 
     
  Und die Zukunft?  
  Wie soll es weitergehen? Das weitaus Wichtigste ist, dass die kontinuierliche Versorgung mit Medikamenten aufrecht erhalten bleibt, denn sonst wäre vieles umsonst gewesen. Es steht zu befürchten, dass unsere Hilfe noch lange gebraucht wird. Darüber hinaus möchten wir weiter an der Modernisierung der Krebsabteilung arbeiten, wozu noch etliche Geräte erforderlich sein werden. Die Caritas Südtirol und die Caritas Österreich werden eine moderne Trinkwasseraufbereitungsanlage für das Kinderspital spenden. Während unserer nächsten Reise, voraussichtlich im März 2004,  wird diese in Betrieb genommen werden können.  
     
 

Was hat Aladins Wunderlampe bis jetzt für die kranken Kinder in Basra getan?

 
 

-         Renovierung eines Labors und des Untersuchungsraumes in der zentralen Blutbank in Basra samt Erneuerung der elektrischen Leitungen, Installation einer Klimaanlage. Renovierung der Sanitäreinheit.

-         Ausstattung des Labors mit einer Blutseparationszentrifuge, 2 Separatoren, Plasmagefrierschrank, 3 Spezialkühlschränke zur Lagerung von Blutkonserven, Labormöbel, Schweißgerät für Blutkonserven

-          Bereitstellung von 2500 Transfusionsbeutel

-          Bereitstellung von 60 Spitalsbetten und Matratzen

-          Bereitstellung von 3 Infusionspumpen sowie 2000 Infusionsleitungen

-          Wiederholte Medikamentenlieferungen im Wert von ca. Euro 500.000,-

-         7wöchiges Training der leitenden Kinderärztin, Prof. Jenan Ghalib Hassan, auf der Kinderkrebsstation des St. Anna Kinderspitals in Wien

-         3wöchiges Training des Dekans der medizinischen Fakultät Basra im Allgemeinen Krankenhaus Wien

-         Training von zwei Hämatologen an der Universitätsklinik in Graz

-          Bereitstellung einer Blutseparationszentrifuge und 2 Separatoren für die Blutbank in Bagdad

-          Bereitstellung von Kühlanlagen für die Blutseparationszentrifugen in Basra und Bagdad

-          Erneuerung des Fußbodens der gesamten onkologischen Abteilung

-          Bereitstellung von 10 Radiatoren für die Krankenzimmer

-         Einrichtung eines Spielzimmers an der onkologischen Abteilung (Möbel, Klimaanlage, Spielsachen)

-          Bereitstellung von medizinischem Verbrauchsmaterial und div. kleinere Geräte

 
     
  Unterstützer von „Aladins Wunderlampe“:  
 

Österreichisches Rotes Kreuz

Caritas Österreich

Caritas Südtirol

ZDF Sendung „Mona Lisa“

Erzdiözese Wien

Vorarlberger Landesregierung

GTZ Deutschland

Diakonie Deutschland

SOS Kinderdorf München

SAT 1 Österreich
Action Medeor

Allgemeines Krankenhaus Wien

St. Anna Kinderspital Wien

Gemeinde Wien

Orthopädisches Spital Speising

Landeskrankenhaus St. Pölten/Stadt St. Pölten

Universitätsklinik Innsbruck/Land Tirol

Schulen, Vereine, Firmen und ungezählte Privatpersonen (wir bitten um Verständnis, dass wir diese nicht einzeln nennen können).

 
   
 

 

„Aladins Wunderlampe“ ist ein Friedenssymbol in einer unfriedlichen Zeit in einem umkämpften und konfliktbeladenen Land, dessen Bewohner nicht mehr wissen, was Frieden ist und die die Hoffnung verloren haben. „Aladins Wunderlampe“ soll Kindern Heilung und eine Chance auf dieses Leben bringen, ihren Eltern die Hoffnung auf die Zukunft. Sie soll Versöhnung bewirken zwischen Kulturen und Religionen in einem Volk, das unsägliches Leid durch Kriege, Diktatur, Ausgrenzung und Ablehnung erfahren hat. „Aladins Wunderlampe“ braucht dazu einen „Brennstoff“: Ihre Unterstützung und Ihre Spende!

 
     

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte unsere Projektleiterin, Frau Dr. Eva-Maria HOBIGER

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