DIE NEU- und FRÜHGEBORENENABTEILUNG IN BASRA

   
 

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Im Ibn Ghazwan Mutter-und-Kind-Spital in Basra kommen pro Woche durchschnittlich 40 Babies zu früh zur Welt. In den Spitzenmonaten (Juli, August) sind es täglich bis zu 12 zu früh geborene Babies. Oft liegen zwei Kinder in einem Brutkasten, oder zwei bis drei Kinder in einem Bett (und deren Mütter auf dem Fussboden). In der Region Basra gibt es seit Jahren eine stark überhöhte Anzahl von Frühgeburten, was vermutlich auf vielerlei Stressfaktoren zurückzuführen ist (Embargo, Krieg, hohe Arbeitslosigkeit, Mangelernährung, nicht existente Vorsorgemedizin, mangelnde Hygiene etc.)

Schon lange wurde seitens des Spitalspersonals der Wunsch an uns herangetragen, bei der Renovierung der Frühgeburtenabteilung zu helfen. Bei unseren Besuchen im November 2003 und Juni 2004 präsentiert sich die vorhandene Abteilung katastrophal und mit nahezu unbeschreiblichen Bedingungen.

Aus meinen Notizen im Juni 2004:

„Die Abteilung erstreckt sich in etwa auf eine Gesamtgrundfläche von  500 m2. Drei Krankenzimmer mit  jeweils 6 Betten sowie ein Zimmer mit zwei Betten sind derzeit vorhanden. Die Betten sind großteils unbenützbar, da gebrochen. Weiters gibt es einen Inkubatorraum an der Abteilung, zwischen November 2003 und Juni 2004 hat das irakische Gesundheitsministerium sechs neue Inkubatoren für diese Abteilung angeschafft. Der Rest der Inkubatoren sind sehr alte Modelle aus den Siebziger Jahren. Etliche sind außer Funktion, es fehlen die Ersatzteile. Die Handschleusen stehen offen, da die Plastikabdeckung fehlt, vieles ist provisorisch mit alten Infusionsleitungsschläuchen befestigt.  Der Inkubatorraum ist derzeit der einzige Raum der Abteilung, der über eine Klimaanlage verfügt. Im Sommer herrschen in Basra täglich Temperaturen zwischen 50 und 55 Grad.

Die Geräte wie Blutwärmer, Sterilisatoren sind schätzungsweise 40 Jahre alt und befinden sich im dementsprechenden Zustand. Geräte für die Phototherapie (absolut essentiell auf einer Frühgeburtenabteilung funktionieren nicht. Die Mauern der Abteilung sind stellenweise feuchtigkeitsdurchtränkt mit Schimmelpilzbildung, die Nassräume sind völlig vernachlässigt. Der Verputz bröckelt in allen Zimmern von den Wänden. Ein Großteil der Krankenbetten sind unbenutzbar, die Matratzen zerschlissen. Der Bodenbelag besteht aus alten PVC-Fliesen, die teilweise fehlen. In den offenen Stellen befinden sich dicke Schmutzbeläge, was einen hervorragenden Nährboden für Keimbildung darstellt. Die Wasserversorgung ist nicht durchgehend, da es immer wieder zu Verstopfungen im Leitungssystem des Krankenhauses kommt. Das Spital wurde in den späten 80er Jahren gebaut, verfiel jedoch während der Zeit des Embargos völlig, da während dieser Jahren (und auch seit dem letzten Krieg im Jahr 2003) keinerlei Instandhaltungsarbeiten durchgeführt wurden.“

Auf dieser Station werden nicht nur Frühgeborene aufgenommen, sondern auch Neugeborene mit Erkrankungen, die eine Spitalsbehandlung erforderlich machen. Die Sterblichkeitsrate auf der Abteilung beträgt derzeit zwischen 40 und 70 % (!).Im April 2005 höre ich vom Krankenhauspersonal, dass sich viele Frauen weigern, dass ihre Babies auf dieser Abteilung aufgenommen werden, da sie dann dem sicheren Tod ausgeliefert wären.

Herbst 2004:

Im Herbst 2004 stand fest, dass Caritas Österreich die Finanzierung der Renovierungsarbeiten übernehmen wird, ein Teil des Geldes kam aus dem Kinderfonds des  Österreichischen Außenministeriums. Als Projektsumme wurden Euro 350.000,- veranschlagt. Damit sollte eine bauliche Renovierung erfolgen, sowie eine Neuausstattung mit Betten, Einrichtung und Geräten sowie evt. auch eine Schulung des Personals. Bedingt durch die extrem schlechte Sicherheitslage im Irak im Herbst 2004 konnte vorläufig an eine Realisierung des Projektes nicht gedacht werden. Allerdings wurden zwischenzeitlich Erkundigungen eingeholt, welche Firma die Renovierungsarbeiten durchführen könnte, Kostenvoranschläge wurden vorgelegt.

April 2005:

Während einer kurzfristig anberaumten Reise nach Basra im April 2004 kam es dann zum Vertragsabschluß mit einer lokalen Baufirma. Anfang Mai wurden die Renovierungsarbeiten gestartet. Ein irakischer Mitarbeiter wurde von uns mit einer Digitalkamera ausgestattet, er berichtet regelmäßig über den Baufortschritt und schickt Fotos per e-mail nach Österreich. Beinahe täglich wird über den Baufortschritt berichtet.

Juli 2005:

Wir haben bei der GTZ in Deutschland um Übernahme der Transportkosten eines Containers gebeten. Der Container soll 25 Krankenhausbetten samt Nachtkästchen sowie 25 Matratzen enthalten. Die Matratzen wurden großzügigerweise von der Fa. Optimo in Braunau zur Verfügung gestellt und sogar gemäß unserem Bedarf hergestellt,  die Firma Kabler spendete die Betten. Am 28. Juli wurden die Hilfsgüter in Linz abgeholt, am 6. August verließ das Schiff mit dem Container den Hafen von Hamburg.

August 2005:

Vom 3. bis 13. August reisten Bashar und ich nach Basra, um eine eingehende Kontrolle der Umbauarbeiten vorzunehmen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich - für irakische Verhältnisse -  um eine ausgezeichnete Arbeit handelt, es gab für uns nur wenige Gründe, etwas zu beanstanden. Man kann aufgrund der Aussagen verschiedener Mitarbeiter des Krankenhauses sicher feststellen, dass sich diese Abteilung vom baulichen Aspekt her selbst nach dem Neubau des Spitals in den Achtziger Jahren nicht in einem so guten Zustand befunden hat wie jetzt.  Nach eingehender Begutachtung unsererseits wurde die letzte Ratenzahlung veranlasst. Zwei Tage nach unserer Abreise wurde die Abteilung von der Baufirma an die Spitalsleitung übergeben. Der Direktor sicherte uns zu, mit der Eröffnung der Abteilung bis zum Eintreffen der Betten zu warten, obwohl das Ausweichquartier nahezu menschenunwürdig ist.

September 2005:

Am 3. September kam der Container mit den Betten im Umm Qasr, Irak, an. Einige Tage später konnten die Hilfsgüter in die Krankenzimmer gebracht werden.

November 2005:

DHL ermöglicht uns den Transport von 24 Babybetten nach Basra. Auf 6 Paletten verteilt kamen alle unbeschädigt im Krankenhaus an.

Die Bestellung der medizinischen Geräte für die Neu- und Frühgeburtenabteilung erfolgt in Kuwait (Wert: US$ 156.000)


März 2006:

Seit Januar sind die bestellten Geräte vollzählig in Kuwait eingetroffen. Da es den Ingenieuren der Lieferfirma aufgrund der schlechten Sicherheitslage im Irak nicht zumutbar ist, nach Basra zu reisen, um dort im Kinderspital das Personal an den Geräten einzuschulen, mussten wir eine andere Lösung finden: Drei Leute vom Kinderspital sollten nach Kuwait reisen, um dort die Einschulung zu erhalten. Allerdings verzögerte sich die Erteilung der Visa für diese drei Personen beträchtlich und so konnten wir die Schulung erst in der letzten Märzwoche ansetzen. Auch wir reisten nach Kuwait, kontrollierten die Geräte, nahmen an der Schulung teil und organisierten den Transport der Geräte nach Basra, wo sie am 7.4.2006 vollständig und unversehrt einlangten.

Wird fortgesetzt ….

   

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte unsere Projektleiterin, Frau Dr. Eva-Maria HOBIGER

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