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Die Irakreise -
August 2005.
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Im Ibn Ghazwan Mutter-und-Kind-Spital in Basra
kommen pro Woche durchschnittlich 40 Babies zu früh zur Welt. In den
Spitzenmonaten (Juli, August) sind es täglich bis zu 12 zu früh geborene Babies.
Oft liegen zwei Kinder in einem Brutkasten, oder zwei bis drei Kinder in einem
Bett (und deren Mütter auf dem Fussboden). In der Region Basra gibt es seit
Jahren eine stark überhöhte Anzahl von Frühgeburten, was vermutlich auf
vielerlei Stressfaktoren zurückzuführen ist (Embargo, Krieg, hohe
Arbeitslosigkeit, Mangelernährung, nicht existente Vorsorgemedizin, mangelnde
Hygiene etc.)
Schon lange wurde seitens des
Spitalspersonals der Wunsch an uns herangetragen, bei der
Renovierung der Frühgeburtenabteilung zu helfen. Bei unseren
Besuchen im November 2003 und Juni 2004 präsentiert sich die
vorhandene Abteilung katastrophal und mit nahezu unbeschreiblichen
Bedingungen.
Aus meinen Notizen im Juni 2004:
„Die Abteilung erstreckt sich in
etwa auf eine Gesamtgrundfläche von 500 m2. Drei Krankenzimmer mit
jeweils 6 Betten sowie ein Zimmer mit zwei Betten sind derzeit
vorhanden. Die Betten sind großteils unbenützbar, da gebrochen.
Weiters gibt es einen Inkubatorraum an der Abteilung, zwischen
November 2003 und Juni 2004 hat das irakische Gesundheitsministerium
sechs neue Inkubatoren für diese Abteilung angeschafft. Der Rest der
Inkubatoren sind sehr alte Modelle aus den Siebziger Jahren. Etliche
sind außer Funktion, es fehlen die Ersatzteile. Die Handschleusen
stehen offen, da die Plastikabdeckung fehlt, vieles ist provisorisch
mit alten Infusionsleitungsschläuchen befestigt. Der Inkubatorraum
ist derzeit der einzige Raum der Abteilung, der über eine
Klimaanlage verfügt. Im Sommer herrschen in Basra täglich
Temperaturen zwischen 50 und 55 Grad.
Die Geräte wie Blutwärmer, Sterilisatoren sind
schätzungsweise 40 Jahre alt und befinden sich im dementsprechenden Zustand.
Geräte für die Phototherapie (absolut essentiell auf einer Frühgeburtenabteilung
funktionieren nicht. Die Mauern der Abteilung sind stellenweise
feuchtigkeitsdurchtränkt mit Schimmelpilzbildung, die Nassräume sind völlig
vernachlässigt. Der Verputz bröckelt in allen Zimmern von den Wänden. Ein
Großteil der Krankenbetten sind unbenutzbar, die Matratzen zerschlissen. Der
Bodenbelag besteht aus alten PVC-Fliesen, die teilweise fehlen. In den offenen
Stellen befinden sich dicke Schmutzbeläge, was einen hervorragenden Nährboden
für Keimbildung darstellt. Die Wasserversorgung ist nicht durchgehend, da es
immer wieder zu Verstopfungen im Leitungssystem des Krankenhauses kommt. Das
Spital wurde in den späten 80er Jahren gebaut, verfiel jedoch während der Zeit
des Embargos völlig, da während dieser Jahren (und auch seit dem letzten Krieg
im Jahr 2003) keinerlei Instandhaltungsarbeiten durchgeführt wurden.“
Auf dieser Station werden nicht nur Frühgeborene aufgenommen,
sondern auch Neugeborene mit Erkrankungen, die eine
Spitalsbehandlung erforderlich machen. Die Sterblichkeitsrate auf
der Abteilung beträgt derzeit zwischen 40 und 70 % (!).Im April 2005
höre ich vom Krankenhauspersonal, dass sich viele Frauen weigern,
dass ihre Babies auf dieser Abteilung aufgenommen werden, da sie
dann dem sicheren Tod ausgeliefert wären.
Herbst 2004:
Im Herbst 2004 stand fest, dass
Caritas Österreich die Finanzierung der Renovierungsarbeiten
übernehmen wird, ein Teil des Geldes kam aus dem Kinderfonds des
Österreichischen Außenministeriums. Als Projektsumme wurden Euro
350.000,- veranschlagt. Damit sollte eine bauliche Renovierung
erfolgen, sowie eine Neuausstattung mit Betten, Einrichtung und
Geräten sowie evt. auch eine Schulung des Personals. Bedingt durch
die extrem schlechte Sicherheitslage im Irak im Herbst 2004 konnte
vorläufig an eine Realisierung des Projektes nicht gedacht werden.
Allerdings wurden zwischenzeitlich Erkundigungen eingeholt, welche
Firma die Renovierungsarbeiten durchführen könnte,
Kostenvoranschläge wurden vorgelegt.
April 2005:
Während einer kurzfristig
anberaumten Reise nach Basra im April 2004 kam es dann zum
Vertragsabschluß mit einer lokalen Baufirma. Anfang Mai wurden die
Renovierungsarbeiten gestartet. Ein irakischer Mitarbeiter wurde von
uns mit einer Digitalkamera ausgestattet, er berichtet regelmäßig
über den Baufortschritt und schickt Fotos per e-mail nach
Österreich. Beinahe täglich wird über den Baufortschritt berichtet.
Juli 2005:
Wir haben bei der GTZ in Deutschland
um Übernahme der Transportkosten eines Containers gebeten. Der
Container soll 25 Krankenhausbetten samt Nachtkästchen sowie 25
Matratzen enthalten. Die Matratzen wurden großzügigerweise von der
Fa. Optimo in Braunau zur Verfügung gestellt und sogar gemäß unserem
Bedarf hergestellt, die Firma Kabler spendete die Betten. Am 28.
Juli wurden die Hilfsgüter in Linz abgeholt, am 6. August verließ
das Schiff mit dem Container den Hafen von Hamburg.
August 2005:
Vom 3. bis 13. August reisten Bashar
und ich nach Basra, um eine eingehende Kontrolle der Umbauarbeiten
vorzunehmen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich - für
irakische Verhältnisse - um eine ausgezeichnete Arbeit handelt, es
gab für uns nur wenige Gründe, etwas zu beanstanden. Man kann
aufgrund der Aussagen verschiedener Mitarbeiter des Krankenhauses
sicher feststellen, dass sich diese Abteilung vom baulichen Aspekt
her selbst nach dem Neubau des Spitals in den Achtziger Jahren nicht
in einem so guten Zustand befunden hat wie jetzt. Nach eingehender
Begutachtung unsererseits wurde die letzte Ratenzahlung veranlasst.
Zwei Tage nach unserer Abreise wurde die Abteilung von der Baufirma
an die Spitalsleitung übergeben. Der Direktor sicherte uns zu, mit
der Eröffnung der Abteilung bis zum Eintreffen der Betten zu warten,
obwohl das Ausweichquartier nahezu menschenunwürdig ist.
September 2005:
Am 3. September kam der Container mit den Betten im Umm Qasr, Irak,
an. Einige Tage später konnten die Hilfsgüter in die Krankenzimmer
gebracht werden.
November 2005:
DHL ermöglicht uns den Transport von 24 Babybetten nach Basra.
Auf 6 Paletten verteilt kamen alle unbeschädigt im Krankenhaus
an.
Die Bestellung der medizinischen Geräte für die Neu- und
Frühgeburtenabteilung erfolgt in Kuwait (Wert: US$ 156.000)
März 2006:
Seit Januar sind die bestellten Geräte vollzählig in Kuwait
eingetroffen. Da es den Ingenieuren der Lieferfirma aufgrund der
schlechten Sicherheitslage im Irak nicht zumutbar ist, nach
Basra zu reisen, um dort im Kinderspital das Personal an den
Geräten einzuschulen, mussten wir eine andere Lösung finden:
Drei Leute vom Kinderspital sollten nach Kuwait reisen, um dort
die Einschulung zu erhalten. Allerdings verzögerte sich die
Erteilung der Visa für diese drei Personen beträchtlich und so
konnten wir die Schulung erst in der letzten Märzwoche ansetzen.
Auch wir reisten nach Kuwait, kontrollierten die Geräte, nahmen
an der Schulung teil und organisierten den Transport der Geräte
nach Basra, wo sie am 7.4.2006 vollständig und unversehrt
einlangten.
Wird fortgesetzt …. |