Reise nach Kuwait 24.3.-1.4.2006
   von Dr. Eva-Maria Hobiger

   

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Ein Hilfsprojekt im Irak durchzuführen ist unter den gegebenen Umständen wirklich keine leichte Aufgabe, es ist daher verständlich, dass es dabei auch immer wieder einmal zu Verzögerungen kommen muss. Auch unsere Kuwaitreise fand später als geplant statt. Im November 2005 hatten wir verschiedene medizinische Geräte in Kuwait bestellt, jetzt war es endlich soweit, dass sie nach Basra geschickt werden sollten. Da es den Ingenieuren der Lieferfirma aufgrund der schlechten Sicherheitslage im Irak nicht zumutbar ist, nach Basra zu reisen, um dort im Kinderspital das Personal an den Geräten einzuschulen, mussten wir eine andere Lösung finden: Drei Leute vom Kinderspital sollten nach Kuwait reisen, um dort die Einschulung zu erhalten. Allerdings verzögerte sich die Erteilung der Visa für diese drei Personen beträchtlich und so konnten wir die Schulung erst in der letzten Märzwoche ansetzen.

Am 24. März reisten B. Hindo und ich nach Kuwait und holten am nächsten Tag eine Ärztin, eine Krankenschwester und eine Ingenieurin – alle vom Kinderspital in Basra - von der irakisch/kuwaitischen Grenze ab. Ein bisschen Wehmut war schon dabei, als ich an der Grenze stand und diese erstmals nicht passieren konnte… Aber alle Freunde aus Basra hatten mir abgeraten, zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu kommen, auf ihren Rat musste ich hören, wenn ich sie nicht durch meine Anwesenheit gefährden wollte – und schließlich war dieses Mal meine Anwesenheit nicht wirklich notwendig.

Die Einschulung an den Geräten verlief sehr zufrieden stellend, die drei Irakerinnen waren äußerst interessiert und wissbegierig und wir mussten das Training sogar um einen Tag verlängern, wozu sich die Firma KMED in Kuwait auch gerne bereit erklärte. Die Schulung war seitens der Firma gut vorbereitet und wurde professionell durchgeführt. Die restlichen zwei Tage in Kuwait dienten der Organisation des Transportes der Geräte nach Kuwait.

Da es zumindest im Kinderspital in Basra auch weiterhin keinerlei Investitionen gibt, steht man immer wieder vor dem Problem, dass man zwar „ein Loch“ verschließt, zur gleichen Zeit aber mindestens ein anderes öffnet. Die schlechte Energieversorgung gefährdet viele Geräte, es gibt stundenlange Stromausfälle. Man kann sich vorstellen, was das für ein Spital bedeutet, v.a. aber für kritische Patienten, deren Leben von einem Gerät abhängt. Es gibt nicht einmal ein Gerät zur Sterilisation an der Intensivstation für Neu- und Frühgeborene und der Sauerstoff, der – in Flaschen – angeliefert wird, ist ein industrieller Sauerstoff und als solcher nur zu 70 % rein, während medizinischer Sauerstoff zu 99 % % rein sein sollte. Einen Dampfsterilisator können wir zur Verfügung stellen, aber eine Sauerstoffproduktionsanlage nicht, diese übersteigt bei weitem unsere Möglichkeiten (Kosten mindestens US$ 400.000). Das Spital verfügt nun seit 20 Jahren erstmals wieder über ein Beatmungsgerät für Babies, ein Gerät, das die jüngeren Ärzte nur aus dem Internet kennen (!).

Zum ersten Mal waren wir bei der Ankunft einer größeren Sendung nicht in Basra anwesend. Es funktionierte trotzdem alles, da wir in Basra mittlerweile über ein Netzwerk von verlässlichen Personen verfügen. Soweit es uns möglich war, bereiteten wir in Kuwait alles für den Transport vor. Am 1. April morgens – gerade als wir schon in Frankfurt landeten – startete in Kuwait der LKW mit unseren Geräten Richtung Grenze. Die Abfertigung verzögerte sich – natürlich, aber am 7. April 2006 erreichte die gesamte Sendung das Kinderspital in Basra. Die Geräte konnten vollzählig und unversehrt dem Spital übergeben werden und Dr. Aida, Ing. Wafaa und Schwester Najma – die drei Damen, die in Kuwait zur Schulung waren - waren anwesend, als der LKW entladen wurde und alles an seinen Platz in der Abteilung gebracht wurde. Wie aus den Fotos ersichtlich ist, machten sich die drei mit Feuereifer ans Auspacken und Aufstellen der Geräte. Sie werden in den nächsten Wochen noch damit beschäftigt sein, sich mehr mit den Geräten vertraut zu machen, um sie zum Wohle ihrer kleinen Patienten verwenden zu können.

Die Schwierigkeiten, die sich einem entgegenstellen, wenn man im Irak in diesen Tagen ein Hilfsprojekt leitet, sind schon manchmal entmutigend. Andererseits ist es doch erfreulich, mit unserer Hilfe nicht nur den kleinen Patienten zu helfen, sondern auch den Ärzten und Schwestern Mut zu machen, weiter für ihre Patienten da zu sein. Unzählige Ärzte haben das Land verlassen in den letzten zwei Jahren, die die ausharren, verdienen unsere Hochachtung und Wertschätzung, v.a. aber unsere Unterstützung. Sie sind wirklich Idealisten, die sich ihren kranken Mitmenschen verpflichtet fühlen. Dazu aus einem Brief eines Kinderarztes aus Basra, der mich erreicht, eben als ich diesen Bericht schreibe:

„Ich möchte Gutes tun bis zum Ende meines Lebens, ich möchte alles geben, um meinen kleinen Patienten helfen zu können und das Chaos, das jetzt im Irak herrscht, überzeugt mich noch mehr von meiner Berufung, Menschen helfen zu müssen. Ich weiß nicht, ob ich den morgigen Tag erleben werde, ich weiß nicht, ob ich heute Abend lebend heimkommen werde… Alles ist schwarz hier im Irak, sogar der Sonnenaufgang….“
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


Das ist die Liste der Geräte, die wir nach Basra schicken konnten:
 

Nr.

Artikel

Anzahl

 

 

 

1

Inkubator

5

2

Phototherapiegerät

4

3

Beatmungsgerät

1

4

CPAP (Gerät zur kontrollierten Beatmung)

1

5

Blutgasanalyse-Gerät

1

6

Hämoglobinometer

1

7

Bilirubinometer

1

8

Apnoe-Monitore

5

9

Monitore zur Herz-Überwachung

3

10

Hämatokritzentrifuge

1

11

Infusionsständer

15

12

Wärmer für Neugeborene

1

13

Sauerstoffventile

6

15

Bettwäsche

100

16

Handtrockner

6

17

50 ml-Spritzen

1000

Der Wert dieser Geräte beträgt US$ 156.000,-

 

   

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte unsere Projektleiterin, Frau Dr. Eva-Maria HOBIGER

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