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Ausnahmezustand in Basra
Mitten in meine Vorbereitungen für unsere nächste
Medikamenten-Hilfslieferung für das Kinderspital in Basra platzt
die Meldung: In Basra wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Es
ist der 31. Mai 2006. Diese Nachricht macht meinen Überlegungen,
ob ich auch diesmal unsere Hilfslieferung bis nach Basra
begleiten sollte, ein jähes Ende. Ich werde den Warnungen meiner
irakischen Freunde folgen und erstmals nicht dabei sein, wenn
der LKW mit den Medikamenten ankommt, ich werde die Medikamente
nicht in Basra übergeben, sondern in Kuwait. Zu groß ist das
persönliche Risiko für uns, vor allem aber: zu groß ist das
Risiko für diejenigen, mit denen wir in Basra zusammenarbeiten.
Basra galt lange Zeit als relativ ruhige Stadt im
Nachkriegsirak, das änderte sich innerhalb der letzten Monate
zusehends und die schlechte Sicherheitslage lähmt das Leben in
der 1,5 Milionenstadt mehr und mehr. „Basra explodiert“ lese ich
in einem englischen Zeitungsartikel Ende Mai. Jeden Morgen
liegen Leichen in den Straßen der Stadt, treiben im Fluss Shatt
el Arab oder in einem der Kanäle, die die Stadt durchziehen. Die
Frustration über die Lebensumstände treiben Tausende auf die
Straßen, sie demonstrieren gegen die Gewalt, gegen die
Arbeitslosigkeit, gegen die Korruption, gegen die katastrophale
Situation auf dem Gesundheitssektor, gegen den Energiemangel und
gegen die allgemeine Verwahrlosung der Stadt. In der Region, die
auf einem unauslotbaren Meer von Erdöl schwimmt, stehen
kilometerlange Autoschlangen vor den Tankstellen. Benzin ist
Mangelware, ebenso der Diesel für die Stromgeneratoren und der
Preis beträgt das Fünffache im Vergleich zu früher. An manchen
Tagen gibt es eine halbe Stunde Strom täglich – bei
Außentemperaturen von über 50 Grad. Müllberge türmen sich in der
Stadt und wenn es keinen elektrischen Strom gibt, dann gibt es
auch kein Leitungswasser. Dann holen sich die Armen, die sich
kein sauberes Wasser kaufen können, ihr Trinkwasser aus dem
verseuchten Fluss – mit verheerenden Folgen. Schlechte
Energieversorgung und verschmutztes Trinkwasser ist nichts Neues
in Basra, seit 1991 hat sich die Situation für die Menschen im
Irak kontinuierlich verschlechtert, ganz besonders im Süden des
Landes. Die Bevölkerung hoffte, dies werde sich ändern, nachdem
das diktatorische Regime gestürzt war. Die Lebensbedingungen
haben sich nicht nur nicht verbessert, sondern im Gegenteil
extrem verschlechtert – das nährt die Ablehnung der fremden
Truppen im Land und bildet einen guten Nährboden für jegliche
Form des Extremismus.
Seit unserer letzten Irakreise hatten wir im Dezember 2005 die
neuerlich notwendig gewordenen Instandsetzungsarbeiten auf der
Kinderkrebsstation im Kinderspital in Basra abgeschlossen. Im
März 2006 konnten wir eine große Menge an neuem medizinischen
Inventar für die Früh- und Neugeburtenstation im gleichen Spital
übergeben und ein Training an diesen Geräten in Kuwait
organisieren. Mehrere Kinder waren in Österreich zur –
erfolgreichen – medizinischen Behandlung. Nun aber wurde wieder
eine umfangreiche Medikamentensendung notwendig. Der Vorrat war
aufgebraucht und noch immer gibt es im Irak keine Medikamente
für die krebskranken Kinder. Um eine erfolgreiche Behandlung
auch weiterhin zu garantieren, mussten wir wieder Medikamente
nach Basra bringen. Durch die Unterstützung der Diakonie
Deutschland, Caritas Südtirol, Difäm in Deutschland, AWD
Stiftung Kinderhilfe in Wien, Fondation Gertrude Hirzel in der
Schweiz, und einigen Spendern in Deutschland, der Schweiz und in
Österreich wurde es möglich, Medikamente im Wert von Euro
150.000 einzukaufen. Darüber hinaus gab es eine größere
Medikamentenspende, weiters einige Geräte für die Blutbank in
Basra vom Österreichischen Roten Kreuz, ein Gerät zur
Sterilisation von medizinischen Instrumenten von Action Medeor
(Deutschland) und medizinisches Material von diversen Firmen.
Alles in allem 10 Paletten, Wert: Euro 250.000. Das alles musste
nun auf sicherem Weg nach Basra gebracht werden – trotz der
unsicheren Lage vor Ort.
Treffen mit Ärzten aus Basra in Kuwait
Am 21. Juni 2006 flog ich über Frankfurt nach Kuwait, am
gleichen Tag wurden sechs Paletten mit Hilfsgütern von Wien aus
über Amsterdam auf die Reise nach Kuwait geschickt. Am nächsten
Tag folgten vier Paletten aus Stuttgart. An diesem Tag fuhr ich
zur kuwaitisch/irakischen Grenze, um zwei Ärzte aus Basra
abzuholen, die ich nach Kuwait eingeladen hatte. Mit ihnen
wollte ich die Art und Weise einer sicheren Übergabe der
Medikamente an das Kinderspital in Basra sowie die Möglichkeiten
zu einer weiteren Unterstützung der schwerkranken Kinder in
Basra besprechen, für den Fall, dass ich längere Zeit nicht
selbst nach Basra fahren kann. Da wir die Leute nun schon so
lange kennen, können wir sicher sein, dass unsere Hilfe die
erreicht, für die sie bestimmt ist – auch ohne meine
Anwesenheit.
Die beiden Ärzte erzählen von den Lebensbedingungen in Basra und
ihre Schilderungen sind nicht neu für mich, vieles davon kenne
ich aus den Medien. Vor allem die englischsprachige Presse
berichtet mehr über den ganz „normalen“ Alltag eines Irakers,
der wirklich ein wahrer Albtraum ist. Ein Alltag, in dem es
normal ist, dass ein achtjähriges Mädchen im Rollstuhl den Vater
voll Angst anfleht, er möge sie die Tür öffnen lassen, an der es
um 20 Uhr geklopft hatte, „denn mich werden sie nicht umbringen,
aber dich schon!“ Ein Alltag, in dem ein Freund ermordet wird
und dazu gesagt wird: „Aber das ist normal bei uns, das ist
nichts Besonderes mehr!“ Ein Alltag, wo mehrere Freunde eines
Ermordeten vor einem Spital auf seine Leiche warten, um sie zu
bestatten und dabei von Maschinengewehrsalven niedergestreckt
werden, ein Alltag, in dem ein 10jähriges Kind als
Selbstmordattentäter in eine Ambulanz geht, wo viele Menschen
auf Behandlung ihrer Erkrankung warten und sich dort in die Luft
sprengt. Ein Alltag, in dem die Angehörigen einer
Religionsgruppe in einem Brief aufgefordert werden, bis zu einem
bestimmten Tag ihr Haus und ihre Stadt zu verlassen, denn sonst
würden sie ermordet werden. Ein Alltag, in dem junge Frauen, die
ihr Studium beendet haben, wochen- und monatelang zu Hause
eingesperrt sitzen, weil sie Angst haben, auf die Straße zu
gehen – und von einer Arbeitsstelle träumen. Der Weg in die
Depression ist der einzige Ausweg. Die Frauen, die in den
Straßen von Basra betteln sind mehr geworden, aber sonst sieht
man kaum mehr Frauen außerhalb der Häuser. Und auch die
bettelnden Kinder in den Straßen wurden mehr, wie die Frauen
auch treibt der Hunger sie auf die Straße.
Die Zahl der unterernährten Kinder im Spital steigt und doch ist
die Dunkelziffer noch viel höher. Viele aus der Umgebung der
Stadt können nicht in das Krankenhaus kommen, weil der Weg
dorthin zu unsicher ist. Täglich werden 40 Kinder im
Kinderspital aufgenommen, 30 davon leiden unter Durchfall
aufgrund des schlechten Trinkwassers, bei 10 davon ist der
Durchfall so schwer, dass die Kinder Infusionen brauchen.
Bräuchten – denn es gibt wieder einmal keine Infusionslösungen.
Und so kann es passieren, dass ein Kind, das vom Krebs geheilt
wurde, an einem simplen Durchfall stirbt, wie „unsere“ kleine
Asia. Und auch die Armutserkrankung Kala Azar fordert ihre
Opfer. Mindestens 40 Kleinkinder monatlich erkranken daran,
manchmal sind es auch weit mehr. Wieder einmal gibt es das
Medikament dafür nicht (wie auch schon vor dem letzten Krieg)
und so werden diese Kinder sterben (wenn wir nicht helfen).
Tuberkulose und Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und Typhus
lauten weitere häufige Todesursachen und Medikamente und
medizinischer Bedarf, wie z.B. Plastikbeutel für Blut, sind kaum
vorhanden.
Die Schulkinder leiden unter einer enormen Schulangst, viele
weigern sich, zur Schule zu gehen, weil sie miterlebt haben, wie
ihre Kameraden entweder in der Klasse oder auf dem Weg dorthin
gekidnappt wurden. Viele Kinder kamen nicht zu den
Schlussprüfungen und verloren so ein ganzes Schuljahr. Während
der Schlussprüfungen waren unzählige Polizisten vor den Schulen
postiert, aber die Leute trauen auch den Polizisten nicht. Und
auch jetzt in den Ferien, bei den extremen Sommertemperaturen,
die die Häuser aufheizen, müssen die Kinder daheim eingesperrt
sein, weil ein Aufenthalt außerhalb des Hauses zu gefährlich für
sie ist. Die Kinder leiden an psychosomatischen Erkrankungen,
klagen über Herz- und Magenprobleme und die Jugendlichen sind
depressiv. In einem Artikel las ich das Zitat eines 13jährigen:
„Ich ziehe es wirklich vor, beim Spielen mit meinen Freunden
beim Fußballspiel umgebracht zu werden, als tagein, tagaus in
diesen vier Wänden zu sitzen.“ Ärzte meinen, hier wächst eine
ganze Generation auf, deren Zukunft eine unheilbare Depression
ist.
Die Arbeitsbedingungen in den Spitälern sind für uns
unvorstellbar. Eine Liste wurde herumgereicht, in der dem
Personal mehr oder minder empfohlen wurde, sich im Dienst zu
bewaffnen, mit dem Eintrag in die Liste hätte man die
Genehmigung dazu. In der Notaufnahme eines großen Krankenhauses
in Basra wurden mehrere Ärzte ermordet, daraufhin wurde diese
Ambulanz geschlossen – und das in einer Stadt, in der täglich so
viele Verletzte behandelt werden müssen. Die Folge der Morde an
den Ärzten ist, dass andere Ärzte nicht zum Dienst erscheinen,
Ärztinnen können schon lange keinen Nachtdienst mehr machen,
Ärzte werden gekidnappt und Lösegeld verlangt - und so kann es
aufgrund des Personalmangels passieren, dass nachts kein Arzt im
Spital ist. Das Verantwortungsgefühl ging verloren, jeder
misstraut jedem, jeder kann ein potentieller Mörder oder
Kidnapper sein, Angst, Frustration, Verwirrung münden oft in
Aggressivität. Ich habe von Fällen gehört, wo die Armut und der
Hunger der Antrieb für Kidnapping war. Auch der Bruder eines der
Kinder, die in Österreich behandelt wurden, wurde entführt – und
wurde gegen die Bezahlung von 4000 Dollar wieder freigelassen.
Alles ist unberechenbar geworden, die einzige Person, die einen
beschützen kann, ist man selbst. „Unsere Demokratie heißt Chaos“
lautet das Resümee einer Ärztin. In diesem Chaos wirkt es schon
fast absurd, wenn sie den kleinen Patienten anbietet, ihr
Kriegsspielzeug gegen andere Spielsachen einzutauschen.
„Lichtblick“ Kinderkrebsstation
In all dem Chaos ist „unsere“ Kinderkrebsstation ein Lichtblick
– so unglaublich das auch klingt - nicht zuletzt deswegen, weil
dort Leute arbeiten, deren Beruf ihnen Berufung ist. Obwohl es
sich um eine Krebsstation handelt, ist die Sterblichkeit dort
weit geringer als im restlichen Spital – dank unserer
Unterstützung, dank unserer Medikamente. Mehr als 90 % der
Medikamente, die für die kleinen Patienten gebraucht werden,
kommen von uns, der Rest von einer japanischen Hilfsorganisation.
Die Station musste erweitert werden, von 24 Betten auf 32. Da es
nicht mehr Räume gibt, wurden einfach zusätzliche Betten in die
Krankenzimmer gestellt. Die Ärzte haben mir ein Geschenk
mitgebracht, es ist eine CD mit Bildern all der Kinder, die ihre
Krebstherapie beendet haben und nun als geheilt gelten. Ein
wertvolles Geschenk, das uns alle, die an dieser Hilfe beteiligt
sind, mit Freude und Stolz erfüllen darf, denn diese Kinder
leben, weil wir ihre Behandlung ermöglicht haben. Einen Teil der
Bilder habe ich auf unserer Webseite veröffentlicht. Als ich die
Ärzte frage, ob sie denn nicht auch daran denken, das Land zu
verlassen, antworten beide: „Wir haben eine Verantwortung, die
noch größer ist, als die Verantwortung unseren Familien
gegenüber: Es ist die Verantwortung diesen kranken Kindern
gegenüber, die niemanden sonst haben, der sich ihrer annimmt.
Unser Platz ist bei ihnen!“ Und die Ärztin fügt hinzu: „Gott
beschützt mich, aber wenn ich sterben muss, dann sterbe ich im
Spital, bei und mit meinen Kindern, die mir anvertraut sind!“
Und fast unhörbar, so als ob sie selbst nicht hören möchte, was
sie sagt, fügt sie hinzu: „Aber wenn ihr uns eines Tages nicht
mehr unterstützen könnt, dann werden wir die Station sperren
müssen!“
Gefängnis Irak
Der Zeitpunkt ist gekommen, wo die beiden Ärzte wieder heim nach
Basra fahren müssen. „Ihre“ Kinder warten auf sie, sie werden
gebraucht. Vier Tage durften sie das Chaos verdrängen,
wegschieben. Sie genossen es, in den kühlen, klimatisierten
Hotelzimmern in Kuwait endlich wirklich schlafen zu können, ohne
Angst, im Schlaf ermordet zu werden, sich nicht jede Nacht bei
Zimmertemperaturen um die 50 Grad (!!) nur ruhelos im Bett zu
wälzen. Sie freuten sich daran, auf der Straße gehen zu können,
denn das kann man zu Hause nicht mehr, dort springt man vor der
Wohnung in das Auto, das einem zum Spital bringt und beim
Nachhauseweg ist es umgekehrt. „Schlafen können, gehen können“ –
sie konnten sich nicht entscheiden, was schöner für sie war. Und
als sie einer Gruppe kuwaitischer Kinder beim Spiel zusahen,
meinten sie nachdenklich: „Glückliche Kinder…“ Ich begleite sie
im Auto zur Grenze, die Anspannung steht in ihren Gesichtern
während der Fahrt durch die Wüste. Es ist sehr still im Auto,
dabei hätten wir uns noch so viel zu sagen. An der Grenze tobt
ein Sandsturm, der einem den Atem nimmt. Der Sturm verkürzt
unseren Abschied, er nimmt uns die Worte und er unterdrückt
unsere Tränen. Schon bald sitzen die beiden in dem Shuttle-Bus,
der zwischen kuwaitischer und irakischer Grenze verkehrt. Der
Bus steht eine ganze Weile wartend vor dem Gittertor, ich weiß,
dass jetzt dort die erste von mehreren Passkontrollen
stattfindet. Dann öffnet sich das Tor, die beiden sind zurück im
großen Gefängnis, das Irak heißt. Mein Fahrer startet den Motor,
wir fahren in die andere Richtung, dorthin wo man auf der Straße
gehen kann und nachts schlafen kann, in die Freiheit.
Es ist der 26. Juni, noch lagern unsere Hilfsgüter im Kühllager
des Flughafens in Kuwait. Einige organisatorische Arbeiten kann
ich noch erledigen während der restlichen zwei Tage, die ich
noch hier verbringe. Und als ich schon wieder zurück in Wien
bin, kommen am vorletzten Tag des Monats Juni alle Hilfsgüter,
komplett und in ausgezeichnetem Zustand, beim Krankenhaus in
Basra an. Von der Grenze weg wurden sie von bewaffneten
Sicherheitsleuten begleitet, die es allerdings ablehnten, in die
Stadt Basra zu fahren, da die Sicherheitslage dort zu schlecht
wäre. So hatte ich telefonisch einen LKW organisiert – wie gut,
dass wir schon lange in Basra tätig sind und daher viele Leute
kennen, denen wir vertrauen können - und an der Stadteinfahrt
von Basra wurden die Hilfsgüter vom Kühllastwagen umgeladen.
Kurze Zeit später traf der LKW beim Spital ein und die
Hilfsgüter wurden von den Ärzten empfangen. Die ganze Aktion
wurde fotografisch dokumentiert.
Es ist wieder einmal gut gegangen – auch wenn ich dieses Mal
nicht dabei war, was mir im übrigen nicht leicht gefallen ist –
und es ist an der Zeit allen Spendern und Helfern zu danken.
Unsere Zeit ist sehr kurzlebig, eine Nachricht jagt die andere.
Wie oft habe ich in den letzten Monaten gehört: „Ich kann das
Thema Irak nicht mehr hören!“ Ja, es ist manchmal wirklich kaum
auszuhalten, sich zu vergegenwärtigen, wie unendlich schwierig
sich das Leben dort für den Einzelnen gestalten kann, wie
unsicher und bedroht dieses Leben ist. Die tägliche Wiederkehr
der Berichte über die Gewalttaten lässt einem fast die
Grausamkeit der einzelnen Taten vergessen. Wenn Eltern hier bei
uns erfahren, daß ihr Kind Krebs hat, so bricht eine Welt für
sie zusammen – und doch wissen sie, daß alles nur
Menschenmögliche für ihr Kind getan werden wird. Die wievielte
Welt bricht für einen Menschen zusammen, der täglich, ja
stündlich damit rechnen muss, umgebracht zu werden, der keine
Arbeit und kaum Essen hat, keinen Strom und kein Wasser – und
dann erfährt er noch, daß das Kind, in das er zumindest seine
Hoffnungen projizieren konnte, Krebs hat und im Spital gibt es
nichts, was diesem Kind das Leben erhalten könnte, nichts, was
seine Hoffnung nähren könnte. Wer von uns kann sich wirklich in
diese Lage versetzen?
Die Ärztin gab mir einen Satz auf den Weg mit, den ich an Sie/Euch
alle weitergeben möchte, er gilt denjenigen, die diese Hilfe
ermöglichten – denn ich bin nur die Überbringerin der Hilfe. „Wenn
ich Dir mein Herz geben würde, so wäre es noch immer nicht genug
für all das, was Du für unsere Kinder gemacht hast“. Unsere
Hilfe und Unterstützung ist nicht nur eine Investition in die
Zukunft des Irak, indem wir schwerkranken Kindern das Überleben
ermöglichen und das Leid ihrer Eltern in Hoffnung verwandeln, es
ist eine unschätzbare psychologische Hilfe für die, die unter
schwierigsten Bedingungen ihren Beruf ausüben, für kranke Kinder
da sind und ihr eigenes Leben geringer achten, ihre Bedürfnisse
hintanstellen, um denen zu dienen, die es noch schwerer im Leben
getroffen haben.
Ich danke allen Spendern und Organisationen, die nun schon so
lange unser Projekt unterstützen, ganz besonders danke ich Dr.
Faisal in Kuwait, ohne dessen logistische Hilfe es zur Zeit
nicht möglich wäre, in Basra zu helfen, ein großes Danke auch an
die IOM (International Organisation for Migration). Und ich
bitte alle, die bis jetzt geholfen haben und alle, die diesen
Bericht lesen, auch weiterhin zu helfen – auch wenn ich das
wieder und wieder schreiben muss. Der Irak ist sehr weit davon
entfernt, ein funktionierendes Gesundheitssystem aufbauen zu
können, der Irak steht vor dem Abgrund eines Bürgerkrieges –
oder er befindet sich schon mittendrin, das ist eine
Interpretationssache. Trotzdem: Sehen Sie sich die Bilder der
Kinder an, denen Sie das Überleben ermöglicht haben. Auf dieser
Seite http://www.saar.at/aladin/juni06.htm finden Sie einige
Bilder von diesen Kindern und unten*) zeige ich eines
stellvertretend für alle andern. Wir dürfen die Menschen im Irak
jetzt nicht allein in ihrem Elend lassen. Es zählt zu den
schönsten Erfahrungen, die wir machen können, wenn Menschen, die
in Resignation und Hoffnungslosigkeit erstarrt waren, neue
Hoffnung schöpfen könne, aufatmen können. Die Menschen im Irak
sind erschöpft und die Hoffnung haben sie schon lange verloren.
Auf meine Frage: „Wird der Irak je ein stabiles Land sein?“
meinte die Ärztin: „Vielleicht werden meine Enkelkinder das
erleben, ich nicht und meine Kinder auch nicht.“ Die Weltpolitik
können wir wohl kaum beeinflussen, aber wir können im Leben von
einigen Menschen, die Tausende Kilometer von uns entfernt leben,
etwas verändern: Wir können sie wissen lassen, dass sie uns
etwas bedeuten, dass sie nicht allein sind in dieser dunklen
Zeit ihres Lebens. Wir können ihnen helfen, unsere Hilfe
bedeutet Hoffnung, unsere Hilfe bedeutet Leben!
Bitte
helfen Sie uns weiterhin, die Menschen in Basra,
ganz besonders die schwerkranken Kinder,
in dieser so schwierigen Zeit zu unterstützen!
*) nur in der Originalfassung
des Berichtes
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