Hilfe zur Hoffnung – Hilfe zum Leben
Kuwait/Basra, 21. bis 28. Juni 2006
   von Dr. Eva-Maria Hobiger

     
 

 

 

Ausnahmezustand in Basra

Mitten in meine Vorbereitungen für unsere nächste Medikamenten-Hilfslieferung für das Kinderspital in Basra platzt die Meldung: In Basra wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Es ist der 31. Mai 2006. Diese Nachricht macht meinen Überlegungen, ob ich auch diesmal unsere Hilfslieferung bis nach Basra begleiten sollte, ein jähes Ende. Ich werde den Warnungen meiner irakischen Freunde folgen und erstmals nicht dabei sein, wenn der LKW mit den Medikamenten ankommt, ich werde die Medikamente nicht in Basra übergeben, sondern in Kuwait. Zu groß ist das persönliche Risiko für uns, vor allem aber: zu groß ist das Risiko für diejenigen, mit denen wir in Basra zusammenarbeiten.

Basra galt lange Zeit als relativ ruhige Stadt im Nachkriegsirak, das änderte sich innerhalb der letzten Monate zusehends und die schlechte Sicherheitslage lähmt das Leben in der 1,5 Milionenstadt mehr und mehr. „Basra explodiert“ lese ich in einem englischen Zeitungsartikel Ende Mai. Jeden Morgen liegen Leichen in den Straßen der Stadt, treiben im Fluss Shatt el Arab oder in einem der Kanäle, die die Stadt durchziehen. Die Frustration über die Lebensumstände treiben Tausende auf die Straßen, sie demonstrieren gegen die Gewalt, gegen die Arbeitslosigkeit, gegen die Korruption, gegen die katastrophale Situation auf dem Gesundheitssektor, gegen den Energiemangel und gegen die allgemeine Verwahrlosung der Stadt. In der Region, die auf einem unauslotbaren Meer von Erdöl schwimmt, stehen kilometerlange Autoschlangen vor den Tankstellen. Benzin ist Mangelware, ebenso der Diesel für die Stromgeneratoren und der Preis beträgt das Fünffache im Vergleich zu früher. An manchen Tagen gibt es eine halbe Stunde Strom täglich – bei Außentemperaturen von über 50 Grad. Müllberge türmen sich in der Stadt und wenn es keinen elektrischen Strom gibt, dann gibt es auch kein Leitungswasser. Dann holen sich die Armen, die sich kein sauberes Wasser kaufen können, ihr Trinkwasser aus dem verseuchten Fluss – mit verheerenden Folgen. Schlechte Energieversorgung und verschmutztes Trinkwasser ist nichts Neues in Basra, seit 1991 hat sich die Situation für die Menschen im Irak kontinuierlich verschlechtert, ganz besonders im Süden des Landes. Die Bevölkerung hoffte, dies werde sich ändern, nachdem das diktatorische Regime gestürzt war. Die Lebensbedingungen haben sich nicht nur nicht verbessert, sondern im Gegenteil extrem verschlechtert – das nährt die Ablehnung der fremden Truppen im Land und bildet einen guten Nährboden für jegliche Form des Extremismus.

Seit unserer letzten Irakreise hatten wir im Dezember 2005 die neuerlich notwendig gewordenen Instandsetzungsarbeiten auf der Kinderkrebsstation im Kinderspital in Basra abgeschlossen. Im März 2006 konnten wir eine große Menge an neuem medizinischen Inventar für die Früh- und Neugeburtenstation im gleichen Spital übergeben und ein Training an diesen Geräten in Kuwait organisieren. Mehrere Kinder waren in Österreich zur – erfolgreichen – medizinischen Behandlung. Nun aber wurde wieder eine umfangreiche Medikamentensendung notwendig. Der Vorrat war aufgebraucht und noch immer gibt es im Irak keine Medikamente für die krebskranken Kinder. Um eine erfolgreiche Behandlung auch weiterhin zu garantieren, mussten wir wieder Medikamente nach Basra bringen. Durch die Unterstützung der Diakonie Deutschland, Caritas Südtirol, Difäm in Deutschland, AWD Stiftung Kinderhilfe in Wien, Fondation Gertrude Hirzel in der Schweiz, und einigen Spendern in Deutschland, der Schweiz und in Österreich wurde es möglich, Medikamente im Wert von Euro 150.000 einzukaufen. Darüber hinaus gab es eine größere Medikamentenspende, weiters einige Geräte für die Blutbank in Basra vom Österreichischen Roten Kreuz, ein Gerät zur Sterilisation von medizinischen Instrumenten von Action Medeor (Deutschland) und medizinisches Material von diversen Firmen. Alles in allem 10 Paletten, Wert: Euro 250.000. Das alles musste nun auf sicherem Weg nach Basra gebracht werden – trotz der unsicheren Lage vor Ort.

Treffen mit Ärzten aus Basra in Kuwait

Am 21. Juni 2006 flog ich über Frankfurt nach Kuwait, am gleichen Tag wurden sechs Paletten mit Hilfsgütern von Wien aus über Amsterdam auf die Reise nach Kuwait geschickt. Am nächsten Tag folgten vier Paletten aus Stuttgart. An diesem Tag fuhr ich zur kuwaitisch/irakischen Grenze, um zwei Ärzte aus Basra abzuholen, die ich nach Kuwait eingeladen hatte. Mit ihnen wollte ich die Art und Weise einer sicheren Übergabe der Medikamente an das Kinderspital in Basra sowie die Möglichkeiten zu einer weiteren Unterstützung der schwerkranken Kinder in Basra besprechen, für den Fall, dass ich längere Zeit nicht selbst nach Basra fahren kann. Da wir die Leute nun schon so lange kennen, können wir sicher sein, dass unsere Hilfe die erreicht, für die sie bestimmt ist – auch ohne meine Anwesenheit.

Die beiden Ärzte erzählen von den Lebensbedingungen in Basra und ihre Schilderungen sind nicht neu für mich, vieles davon kenne ich aus den Medien. Vor allem die englischsprachige Presse berichtet mehr über den ganz „normalen“ Alltag eines Irakers, der wirklich ein wahrer Albtraum ist. Ein Alltag, in dem es normal ist, dass ein achtjähriges Mädchen im Rollstuhl den Vater voll Angst anfleht, er möge sie die Tür öffnen lassen, an der es um 20 Uhr geklopft hatte, „denn mich werden sie nicht umbringen, aber dich schon!“ Ein Alltag, in dem ein Freund ermordet wird und dazu gesagt wird: „Aber das ist normal bei uns, das ist nichts Besonderes mehr!“ Ein Alltag, wo mehrere Freunde eines Ermordeten vor einem Spital auf seine Leiche warten, um sie zu bestatten und dabei von Maschinengewehrsalven niedergestreckt werden, ein Alltag, in dem ein 10jähriges Kind als Selbstmordattentäter in eine Ambulanz geht, wo viele Menschen auf Behandlung ihrer Erkrankung warten und sich dort in die Luft sprengt. Ein Alltag, in dem die Angehörigen einer Religionsgruppe in einem Brief aufgefordert werden, bis zu einem bestimmten Tag ihr Haus und ihre Stadt zu verlassen, denn sonst würden sie ermordet werden. Ein Alltag, in dem junge Frauen, die ihr Studium beendet haben, wochen- und monatelang zu Hause eingesperrt sitzen, weil sie Angst haben, auf die Straße zu gehen – und von einer Arbeitsstelle träumen. Der Weg in die Depression ist der einzige Ausweg. Die Frauen, die in den Straßen von Basra betteln sind mehr geworden, aber sonst sieht man kaum mehr Frauen außerhalb der Häuser. Und auch die bettelnden Kinder in den Straßen wurden mehr, wie die Frauen auch treibt der Hunger sie auf die Straße.

Die Zahl der unterernährten Kinder im Spital steigt und doch ist die Dunkelziffer noch viel höher. Viele aus der Umgebung der Stadt können nicht in das Krankenhaus kommen, weil der Weg dorthin zu unsicher ist. Täglich werden 40 Kinder im Kinderspital aufgenommen, 30 davon leiden unter Durchfall aufgrund des schlechten Trinkwassers, bei 10 davon ist der Durchfall so schwer, dass die Kinder Infusionen brauchen. Bräuchten – denn es gibt wieder einmal keine Infusionslösungen. Und so kann es passieren, dass ein Kind, das vom Krebs geheilt wurde, an einem simplen Durchfall stirbt, wie „unsere“ kleine Asia. Und auch die Armutserkrankung Kala Azar fordert ihre Opfer. Mindestens 40 Kleinkinder monatlich erkranken daran, manchmal sind es auch weit mehr. Wieder einmal gibt es das Medikament dafür nicht (wie auch schon vor dem letzten Krieg) und so werden diese Kinder sterben (wenn wir nicht helfen). Tuberkulose und Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und Typhus lauten weitere häufige Todesursachen und Medikamente und medizinischer Bedarf, wie z.B. Plastikbeutel für Blut, sind kaum vorhanden.

Die Schulkinder leiden unter einer enormen Schulangst, viele weigern sich, zur Schule zu gehen, weil sie miterlebt haben, wie ihre Kameraden entweder in der Klasse oder auf dem Weg dorthin gekidnappt wurden. Viele Kinder kamen nicht zu den Schlussprüfungen und verloren so ein ganzes Schuljahr. Während der Schlussprüfungen waren unzählige Polizisten vor den Schulen postiert, aber die Leute trauen auch den Polizisten nicht. Und auch jetzt in den Ferien, bei den extremen Sommertemperaturen, die die Häuser aufheizen, müssen die Kinder daheim eingesperrt sein, weil ein Aufenthalt außerhalb des Hauses zu gefährlich für sie ist. Die Kinder leiden an psychosomatischen Erkrankungen, klagen über Herz- und Magenprobleme und die Jugendlichen sind depressiv. In einem Artikel las ich das Zitat eines 13jährigen: „Ich ziehe es wirklich vor, beim Spielen mit meinen Freunden beim Fußballspiel umgebracht zu werden, als tagein, tagaus in diesen vier Wänden zu sitzen.“ Ärzte meinen, hier wächst eine ganze Generation auf, deren Zukunft eine unheilbare Depression ist.

Die Arbeitsbedingungen in den Spitälern sind für uns unvorstellbar. Eine Liste wurde herumgereicht, in der dem Personal mehr oder minder empfohlen wurde, sich im Dienst zu bewaffnen, mit dem Eintrag in die Liste hätte man die Genehmigung dazu. In der Notaufnahme eines großen Krankenhauses in Basra wurden mehrere Ärzte ermordet, daraufhin wurde diese Ambulanz geschlossen – und das in einer Stadt, in der täglich so viele Verletzte behandelt werden müssen. Die Folge der Morde an den Ärzten ist, dass andere Ärzte nicht zum Dienst erscheinen, Ärztinnen können schon lange keinen Nachtdienst mehr machen, Ärzte werden gekidnappt und Lösegeld verlangt - und so kann es aufgrund des Personalmangels passieren, dass nachts kein Arzt im Spital ist. Das Verantwortungsgefühl ging verloren, jeder misstraut jedem, jeder kann ein potentieller Mörder oder Kidnapper sein, Angst, Frustration, Verwirrung münden oft in Aggressivität. Ich habe von Fällen gehört, wo die Armut und der Hunger der Antrieb für Kidnapping war. Auch der Bruder eines der Kinder, die in Österreich behandelt wurden, wurde entführt – und wurde gegen die Bezahlung von 4000 Dollar wieder freigelassen. Alles ist unberechenbar geworden, die einzige Person, die einen beschützen kann, ist man selbst. „Unsere Demokratie heißt Chaos“ lautet das Resümee einer Ärztin. In diesem Chaos wirkt es schon fast absurd, wenn sie den kleinen Patienten anbietet, ihr Kriegsspielzeug gegen andere Spielsachen einzutauschen.

„Lichtblick“ Kinderkrebsstation

In all dem Chaos ist „unsere“ Kinderkrebsstation ein Lichtblick – so unglaublich das auch klingt - nicht zuletzt deswegen, weil dort Leute arbeiten, deren Beruf ihnen Berufung ist. Obwohl es sich um eine Krebsstation handelt, ist die Sterblichkeit dort weit geringer als im restlichen Spital – dank unserer Unterstützung, dank unserer Medikamente. Mehr als 90 % der Medikamente, die für die kleinen Patienten gebraucht werden, kommen von uns, der Rest von einer japanischen Hilfsorganisation. Die Station musste erweitert werden, von 24 Betten auf 32. Da es nicht mehr Räume gibt, wurden einfach zusätzliche Betten in die Krankenzimmer gestellt. Die Ärzte haben mir ein Geschenk mitgebracht, es ist eine CD mit Bildern all der Kinder, die ihre Krebstherapie beendet haben und nun als geheilt gelten. Ein wertvolles Geschenk, das uns alle, die an dieser Hilfe beteiligt sind, mit Freude und Stolz erfüllen darf, denn diese Kinder leben, weil wir ihre Behandlung ermöglicht haben. Einen Teil der Bilder habe ich auf unserer Webseite veröffentlicht. Als ich die Ärzte frage, ob sie denn nicht auch daran denken, das Land zu verlassen, antworten beide: „Wir haben eine Verantwortung, die noch größer ist, als die Verantwortung unseren Familien gegenüber: Es ist die Verantwortung diesen kranken Kindern gegenüber, die niemanden sonst haben, der sich ihrer annimmt. Unser Platz ist bei ihnen!“ Und die Ärztin fügt hinzu: „Gott beschützt mich, aber wenn ich sterben muss, dann sterbe ich im Spital, bei und mit meinen Kindern, die mir anvertraut sind!“ Und fast unhörbar, so als ob sie selbst nicht hören möchte, was sie sagt, fügt sie hinzu: „Aber wenn ihr uns eines Tages nicht mehr unterstützen könnt, dann werden wir die Station sperren müssen!“

Gefängnis Irak

Der Zeitpunkt ist gekommen, wo die beiden Ärzte wieder heim nach Basra fahren müssen. „Ihre“ Kinder warten auf sie, sie werden gebraucht. Vier Tage durften sie das Chaos verdrängen, wegschieben. Sie genossen es, in den kühlen, klimatisierten Hotelzimmern in Kuwait endlich wirklich schlafen zu können, ohne Angst, im Schlaf ermordet zu werden, sich nicht jede Nacht bei Zimmertemperaturen um die 50 Grad (!!) nur ruhelos im Bett zu wälzen. Sie freuten sich daran, auf der Straße gehen zu können, denn das kann man zu Hause nicht mehr, dort springt man vor der Wohnung in das Auto, das einem zum Spital bringt und beim Nachhauseweg ist es umgekehrt. „Schlafen können, gehen können“ – sie konnten sich nicht entscheiden, was schöner für sie war. Und als sie einer Gruppe kuwaitischer Kinder beim Spiel zusahen, meinten sie nachdenklich: „Glückliche Kinder…“ Ich begleite sie im Auto zur Grenze, die Anspannung steht in ihren Gesichtern während der Fahrt durch die Wüste. Es ist sehr still im Auto, dabei hätten wir uns noch so viel zu sagen. An der Grenze tobt ein Sandsturm, der einem den Atem nimmt. Der Sturm verkürzt unseren Abschied, er nimmt uns die Worte und er unterdrückt unsere Tränen. Schon bald sitzen die beiden in dem Shuttle-Bus, der zwischen kuwaitischer und irakischer Grenze verkehrt. Der Bus steht eine ganze Weile wartend vor dem Gittertor, ich weiß, dass jetzt dort die erste von mehreren Passkontrollen stattfindet. Dann öffnet sich das Tor, die beiden sind zurück im großen Gefängnis, das Irak heißt. Mein Fahrer startet den Motor, wir fahren in die andere Richtung, dorthin wo man auf der Straße gehen kann und nachts schlafen kann, in die Freiheit.

Es ist der 26. Juni, noch lagern unsere Hilfsgüter im Kühllager des Flughafens in Kuwait. Einige organisatorische Arbeiten kann ich noch erledigen während der restlichen zwei Tage, die ich noch hier verbringe. Und als ich schon wieder zurück in Wien bin, kommen am vorletzten Tag des Monats Juni alle Hilfsgüter, komplett und in ausgezeichnetem Zustand, beim Krankenhaus in Basra an. Von der Grenze weg wurden sie von bewaffneten Sicherheitsleuten begleitet, die es allerdings ablehnten, in die Stadt Basra zu fahren, da die Sicherheitslage dort zu schlecht wäre. So hatte ich telefonisch einen LKW organisiert – wie gut, dass wir schon lange in Basra tätig sind und daher viele Leute kennen, denen wir vertrauen können - und an der Stadteinfahrt von Basra wurden die Hilfsgüter vom Kühllastwagen umgeladen. Kurze Zeit später traf der LKW beim Spital ein und die Hilfsgüter wurden von den Ärzten empfangen. Die ganze Aktion wurde fotografisch dokumentiert.

Es ist wieder einmal gut gegangen – auch wenn ich dieses Mal nicht dabei war, was mir im übrigen nicht leicht gefallen ist – und es ist an der Zeit allen Spendern und Helfern zu danken. Unsere Zeit ist sehr kurzlebig, eine Nachricht jagt die andere. Wie oft habe ich in den letzten Monaten gehört: „Ich kann das Thema Irak nicht mehr hören!“ Ja, es ist manchmal wirklich kaum auszuhalten, sich zu vergegenwärtigen, wie unendlich schwierig sich das Leben dort für den Einzelnen gestalten kann, wie unsicher und bedroht dieses Leben ist. Die tägliche Wiederkehr der Berichte über die Gewalttaten lässt einem fast die Grausamkeit der einzelnen Taten vergessen. Wenn Eltern hier bei uns erfahren, daß ihr Kind Krebs hat, so bricht eine Welt für sie zusammen – und doch wissen sie, daß alles nur Menschenmögliche für ihr Kind getan werden wird. Die wievielte Welt bricht für einen Menschen zusammen, der täglich, ja stündlich damit rechnen muss, umgebracht zu werden, der keine Arbeit und kaum Essen hat, keinen Strom und kein Wasser – und dann erfährt er noch, daß das Kind, in das er zumindest seine Hoffnungen projizieren konnte, Krebs hat und im Spital gibt es nichts, was diesem Kind das Leben erhalten könnte, nichts, was seine Hoffnung nähren könnte. Wer von uns kann sich wirklich in diese Lage versetzen?

Die Ärztin gab mir einen Satz auf den Weg mit, den ich an Sie/Euch alle weitergeben möchte, er gilt denjenigen, die diese Hilfe ermöglichten – denn ich bin nur die Überbringerin der Hilfe. „Wenn ich Dir mein Herz geben würde, so wäre es noch immer nicht genug für all das, was Du für unsere Kinder gemacht hast“. Unsere Hilfe und Unterstützung ist nicht nur eine Investition in die Zukunft des Irak, indem wir schwerkranken Kindern das Überleben ermöglichen und das Leid ihrer Eltern in Hoffnung verwandeln, es ist eine unschätzbare psychologische Hilfe für die, die unter schwierigsten Bedingungen ihren Beruf ausüben, für kranke Kinder da sind und ihr eigenes Leben geringer achten, ihre Bedürfnisse hintanstellen, um denen zu dienen, die es noch schwerer im Leben getroffen haben.

Ich danke allen Spendern und Organisationen, die nun schon so lange unser Projekt unterstützen, ganz besonders danke ich Dr. Faisal in Kuwait, ohne dessen logistische Hilfe es zur Zeit nicht möglich wäre, in Basra zu helfen, ein großes Danke auch an die IOM (International Organisation for Migration). Und ich bitte alle, die bis jetzt geholfen haben und alle, die diesen Bericht lesen, auch weiterhin zu helfen – auch wenn ich das wieder und wieder schreiben muss. Der Irak ist sehr weit davon entfernt, ein funktionierendes Gesundheitssystem aufbauen zu können, der Irak steht vor dem Abgrund eines Bürgerkrieges – oder er befindet sich schon mittendrin, das ist eine Interpretationssache. Trotzdem: Sehen Sie sich die Bilder der Kinder an, denen Sie das Überleben ermöglicht haben. Auf dieser Seite http://www.saar.at/aladin/juni06.htm finden Sie einige Bilder von diesen Kindern und unten*) zeige ich eines stellvertretend für alle andern. Wir dürfen die Menschen im Irak jetzt nicht allein in ihrem Elend lassen. Es zählt zu den schönsten Erfahrungen, die wir machen können, wenn Menschen, die in Resignation und Hoffnungslosigkeit erstarrt waren, neue Hoffnung schöpfen könne, aufatmen können. Die Menschen im Irak sind erschöpft und die Hoffnung haben sie schon lange verloren. Auf meine Frage: „Wird der Irak je ein stabiles Land sein?“ meinte die Ärztin: „Vielleicht werden meine Enkelkinder das erleben, ich nicht und meine Kinder auch nicht.“ Die Weltpolitik können wir wohl kaum beeinflussen, aber wir können im Leben von einigen Menschen, die Tausende Kilometer von uns entfernt leben, etwas verändern: Wir können sie wissen lassen, dass sie uns etwas bedeuten, dass sie nicht allein sind in dieser dunklen Zeit ihres Lebens. Wir können ihnen helfen, unsere Hilfe bedeutet Hoffnung, unsere Hilfe bedeutet Leben!

Bitte helfen Sie uns weiterhin, die Menschen in Basra,
ganz besonders die schwerkranken Kinder,
in dieser so schwierigen Zeit zu unterstützen!
 

*) nur in der Originalfassung des Berichtes