- Sehr geehrte Dame!
- Sehr geehrter Herr!
Die spannungsgeladene und bedrohliche Situation im Nahen Osten
hält unvermittelt an, ein weiterer Kommentar erübrigt sich
leider. Auch die ausschlaggebenden Faktoren (unbeirrbar
kompromißlose Rechtsregierung in Israel, orientierungslose
Nahost-Politik der Weltmacht USA, zahnlose europäische
Nahost-Politik, Uneinigkeit der arabischen Staaten, um nur einige der
wichtigsten zu nennen) sind seit vielen Monaten nahezu
unverändert; daran ändern auch hektische Reisen der
US-Außenministerin und ihre zahlreichen Treffen mit
führenden israelischen und arabischen Politikern nichts. Der
weitgehend gescheiterte "Wirtschaftsgipfel" in Doha demonstrierte nur
zu deutlich, daß gegenwärtig eigentlich niemand so richtig
weiß, was nun zu tun ist. Man gewinnt tatsächlich den
Eindruck, daß sich die Mächtigen der Welt mit diesem
Zustand des "Kalten Friedens" zunächst abgefunden haben.
Daß dieser Zustand dem sprichwörtlichen Tanz auf dem
Vulkan entspricht, scheinen nur wenige der professionellen
Außenpolitiker der Welt wahrzunehmen. Dabei gäbe es
eigentlich genügend Anzeichen: der blutige islamistische Terror
in Algerien und Ägypten, die deutliche Verschlechterung des
Verhältnisses Israels zu seinen arabischen Nachbarn, vor allem
zu Ägypten und Jordanien und die absolute Stagnation im
israelisch-palästinensischen "Friedens"prozeß). Die
Perspektiven im Nahen Osten zu Beginn des islamischen Fastenmonats
Ramadan sind also nicht gerade rosig!
Österreich intensiviert Nahost-Politik
In dieser alles andere als günstigen und hoffnungsvollen
Situation hat sich die österreichische Bundesregierung
entschieden, neue Initiativen im Nahen Osten zu setzen. Die
jüngste Reise von Bundeskanzler Viktor Klima nach Ägypten,
Jordanien und Syrien sollte mehr sein, als nur ein erstes Vorstellen
des kommenden EU-Präsidenten im Nahen Osten. Klima hat sich in
den Monaten zuvor in einer Reihe von bilateralen Gesprächen mit
führenden Politikern aus der Region ein klares Bild der
Situation gemacht, seine erste Reise als österreichischer
Bundeskanzler in diese traditionelle Krisenregion sollte aber doch
auch in gewisser Weise an die in den letzten Jahren leider etwas
vernachlässigte Nahost-Politik Österreichs
anknüpfen.
Die Reaktionen in der Arabischen Welt waren durchwegs positiv, es
liegt nun an Österreich, sowohl auf bilateraler Ebene, als auch
im Rahmen der Europäischen Union, konkrete politische
Initiativen zu setzen.
Daß es genügend wichtige und dringende Aufgaben
für eine eigenständige europäische Nahost-Politik
gäbe, bewies auch die jüngste
GÖAB-Vortragsveranstaltung in Wien. Am 25.11. referierte der
bekannte deutsche Nahost-Experte Prof. Udo Steinbach über das
Thema "Nur ein Juniorpartner Amerikas? - Die Europäische Union
sucht ihre Rolle im Nahen Osten", und stellte dabei der
europäischen Außen- und Nahost-Politik leider kein allzu
positives Zeugnis aus. (Das Manuskript dieses Vortrages ist in
Kürze über das GÖAB-Sekretariat zu beziehen!)
Zahlreiche GÖAB-Aktivitäten
Neben diesem ausgezeichneten Vortrag hatte das Programm der
GÖAB in den letzten Wochen noch einige weitere Highlights zu
bieten. In chronologischer Reihenfolge:
- Es begann mit dem Ägyptischen Kulturfestival vom 28.9.
bis zum 1.10., bei welchem die GÖAB als Mitveranstalterin
auftrat.
- Am 20.10. lud Präsident BM Karl Schlögl die
arabischen Botschafter sowie Freunde und Förderer zu dem
bereits traditionellen Empfang in das Penthouse der Wiener
Städtischen Versicherung. Dieser Empfang erhielt diesmal
durch die Teilnahme des palästinensischen Ministers für
Planung und Internationale Zusammenarbeit, Nabil Sha'ath, einen
besonderen politischen Akzent.
- Zwischen 25.10. und 3.11. weilte Generalsekretär Fritz
Edlinger im Irak und in Jordanien, um die nächste
medizinische Hilfsaktion im Irak vorzubereiten.
- Am 14.11. berichteten einige Mitglieder jenes
GÖAB-Ärzteteams, welches Mitte des Jahres im Irak war,
einem ärztlichen Fachpublikum ihre Eindrücke über
die Situation des dortigen Gesundheitswesens.
- Am 28.11. wurde in Betlehem vom palästinensischen
Postminister Imad Al-Falouji in Anwesenheit zahlreicher
prominenter Persönlichkeiten, darunter auch des neuen
österreichischen Botschafters Dr. Wolfgang Paul, die vom
österreichischen Maler Prof. Anton Wollenek gestaltete
Weihnachtsmarke der palästinensischen Post präsentiert.
Die GÖAB, welche sich am Zustandekommen dieses
symbolträchtigen Projektes wesentlich beteiligte, war durch
Generalsekretär Fritz Edlinger vertreten.
- Am 5.12. lud die GÖAB gemeinsam mit der St. Balbach Art
Production zu der Eröffnung der ersten Ausstellung eines
palästinensischen Malers in Österreich ein. Die Bilder
von Tayseer Barakat kamen äußerst gut an, was auch der
erfreuliche Verkaufserfolg unterstrich. Die Ausstellung lief bis
zum 14.12. und war sehr gut besucht.
- Am 6.12. organisierte die GÖAB gemeinsam mit dem
Ägyptischen Akademikerverband eine Lesung aus Khalil Gibrans
"Der Prophet" von Hassan Baroud im Café Nil.
- Am 8.12. öffnete das mit finanzieller Unterstützung
seitens der Stadt Wien errichtete Mutter-Kind-Zentrum der
GÖAB in der Altstadt von Jerusalem seine Pforten. (Einen
ausführlichen Bericht darüber werden wir in unserem
nächsten Bulletin bringen.)
- Am 11.12. schließlich wurde der Bericht "The Status of
the Environment in the West Bank" in Betlehem präsentiert.
Das vom Applied Research Institut in Betlehem ausgearbeitete
Projekt wurde mit Mitteln der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit finanziert und von der GÖAB
koordiniert. Dieser erste umfassende Bericht über die gesamte
Umweltsituation in der Westbank kam bei der Fachwelt
außerordentlich gut an und stellt nun die fachliche
Unterlage auf diesem Gebiet schlechthin dar. (Exemplare
können gegen einen Druckkostenbeitrag beim
GÖAB-Sekretariat bestellt werden.)
- Terminmäßig nicht exakt definieren läßt
sich die Fertigstellung unseres wirtschaftlichen
Forschungsprojektes über die zukünftigen Perspektiven
der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und dem Irak.
Dieses aus Mitteln des Jubiläumsfonds der
Österreichischen Nationalbank finanzierte Projekt wurde von
Dr. Herbert Strunz gemeinsam mit Dr. Ayad Al-Ani
durchgeführt. Eine Veröffentlichung der Studie ist
für das Frühjahr geplant.
Arbeitsreiches Jahr 1998 steht bevor
Parallel mit den oben genannten Veranstaltungen wurde auch bereits
eine Vielzahl an Aktivitäten der GÖAB für das heurige
Jahr vorbereitet:
- Unsere Projektarbeit in Palästina wird sich vor allem auf
den Ausbau der Klinik in der Altstadt von Jerusalem sowie des
neuen Mutter-Kind-Zentrums konzentrieren. Darüber hinaus
werden zusätzliche Initiativen auf dem Gebiet der Jugend und
der Kultur gesetzt.
- Auf dem Gebiet der medizinischen Hilfsprojekte werden im
ersten Halbjahr Hilfslieferungen in den Jemen und in den Irak
geschickt. Beide Lieferungen werden von einem Ärzteteam der
GÖAB überbracht.
- Im Bereich der politischen Kontakte werden in den kommenden
Monaten eine Parlamentarierdelegation nach Saudi-Arabien sowie
eine Fact-finding-mission nach Libyen entsandt.
- In wirtschaftlicher Hinsicht wird die GÖAB eine Reihe
konkreter Initiativen zur Unterstützung der
österreichischen Exportwirtschaft unternehmen. Ein
wissenschaftliches Projekt zur Analyse der zukünftigen
Wirtschaftsbeziehungen zu Libyen ist in Vorbereitung.
- Auf dem wissenschaftlichen Gebiet wird das bereits seit einem
Jahr laufende Kooperationsprojekt mit der palästinensischen
Universität Birzeit fortgeführt.
- Schließlich wird der bereits 1997 begonnene Aufbau einer
professionellen Dokumentation, welche Mitgliedern und
Interessenten zur Verfügung steht, weiter fortgesetzt.
Alles in allem war 1997 für die GÖAB ein ereignis- und
arbeitsreiches Jahr. Vieles konnte erreicht werden, manches wurde
mangels ausreichender (zumeist finanzieller) Möglichkeiten
leider zurückgestellt. An guten Ideen und Projekten für die
weitere Zukunft mangelt es jedenfalls nicht!
Fritz Edlinger
Generalsekretär
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