Diese Ausgabe unseres Bulletins befaßt sich nahezu ausschließlich mit wirtschaftlichen Themen. Obwohl aufgrund verschiedenster politischer und wirtschaftlicher Faktoren die "goldenen Zeiten" der Wirtschaftsbeziehungen zum Nahen Osten seit einem guten Jahrzehnt leider vorbei sind, kommt dem Handel mit den arabischen Staaten nach wie vor ein großer Stellenwert zu. Noch immer deckt Österreich einen beträchtlichen Teil seines Öl- und Erdgasbedarfes aus dieser Region, die österreichischen Exporte weisen eine relativ breite Streuung auf. Maschinen, Fahrzeuge, chemische und pharmazeutische Produkte führen die Liste jener Produkte an, die Österreich in den Nahen Osten exportiert. Zuletzt sind auch einige recht bemerkenswerte Abschlüsse im Engineeringbereich zu verzeichnen gewesen.
Obwohl Österreich in Arabien nach wie vor bekannt und auch sehr beliebt ist, gibt es unter den österreichischen Exportfirmen nur relativ wenige, die man als wirkliche Kenner dieses Marktes bezeichnen kann. Dabei sollte es sich eigentlich bereits längst herumgesprochen haben, daß die Märkte im Nahen Osten manche Charakteristika ausweisen, die man sonst selten antrifft. Man legt hier sehr viel Wert auf intensive persönliche Kontakte, der amerikanische "way of business" wird alles in allem nicht sehr geschätzt. Zeit, Ausdauer und persönliches Engagement sind unbedingt nötig, um zu guten Geschäftsabschlüssen zu kommen. Qualität und immer mehr auch der Preis der angebotenen Produkte und Dienstleistungen müssen natürlich stimmen. Die Zeiten, in denen arabische Käufer nicht so sehr auf den Preis geachtet haben, sind nämlich längst vorbei.
GÖAB unterstützt österreichische Exportwirtschaft
In dieser Situation hat sich die GÖAB nun vor rund zwei Jahren entschieden, ihr know how heimischen Exportunternehmen zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet, daß wir Firmen, die Sponsor- oder Firmenmitglied der Gesellschaft sind, bei ihren Kontakten in arabische Staaten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unser Service reicht von der Sammlung und Aufbereitung von Informationen, über die Erstellung von Studien bis hin zu gezielten Unterstützungen einzelner Unternehmen. Die GÖAB bietet ihren Mitgliedsfirmen immer wieder die Möglichkeit, an Missionen in einzelne arabische Staaten teilzunehmen. Daß dieses Angebot anerkannt wird, zeigt alleine die Tatsache, daß die Zahl der Sponsor- und Firmenmitglieder der Gesellschaft im letzten Jahr deutlich angestiegen ist. Im Sinne der Optimierung vorhandener Ressourcen kooperiert die Gesellschaft mit einer Reihe bestehender Institutionen und Organisationen. Die Wirtschaftskammer Österreich, die Österreichisch-Arabische Handelskammer und die Österreichische Kontrollbank seien in diesem Zusammenhang besonders erwähnt.
Wir werden das Angebot in nächster Zeit noch ausweiten, indem wir ganz gezielte Aktivitäten in einzelnen Bereichen, z.B. auf den Sektoren Gesundheit und Umwelt/Energie, setzen werden. Darüber hinaus wird die GÖAB ihren Mitgliedsfirmen auch ein vermehrtes Angebot an Delegationen machen. Noch im heurigen Jahr werden Missionen in den Irak, nach Jemen und Libyen durchgeführt.
Von Hilfs- und Entwicklungsprojekten zu kommerziellen Handelsbeziehungen
Ich wurde bereits des öfteren gefragt, ob nicht ein unüberbrückbarer Widerspruch zwischen den Hilfs- und Entwicklungsprojekten der GÖAB und ihrem Engagement im kommerziellen Bereich bestehe. Ich sehe dies absolut nicht und anhand unserer Tätigkeit läßt sich das wirklich einfach und überzeugend nachweisen. Im Gegenteil, man kann beides sogar in einen sinnvollen Zusammenhang bringen. So schaffen beispielsweise Hilfsprojekte, die wir natürlich nur in Staaten bzw. Regionen durchführen, die tatsächlich unserer Hilfe bedürfen, Dankbarkeit und Anerkennung. Diese kann sich zu einem späteren Zeitpunkt durchaus darin niederschlagen, daß eben österreichische Lieferanten bevorzugt werden. Natürlich muß man strikt darauf achten, daß beide Bereiche säuberlich getrennt und auch sonst keine unreellen oder gar moralisch bedenkliche Bedingungen bestehen. Somit besteht überhaupt keine Gefahr, daß sich die GÖAB, welche ja als eine politisch-orientierte Hilfs- und Entwicklungshilfeorganisation gegründet worden ist, sich auch in den Dienst kommerzieller Projekte stellt. Und die GÖAB selbst zieht - ganz offen gesagt - konkreten Nutzen aus dieser Situation: Spenden und Zuwendungen unserer Firmenmitglieder erhöhen unser Budget für Hilfs- und Entwicklungsprojekte. Eine durchaus vertretbare und nützliche "Umverteilung" von Mittel, wie ich meine.
Fritz Edlinger
Generalsekretär