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Fritz Edlinger:
Die EU schafft bei ihrer Erklärung zum Nahostkonflikt wieder einmal die
Quadratur des Kreises.
Es
ist ein typisch nahöstliche Paradoxie: Die in den letzten Tagen heftig und
äußerst kontroversiell debattierte Erklärung der EU-Außenminister wurde
letztendlich von beiden Konfliktparteien begrüßt. Ist also Europa auf dem
besten Weg, ein ehrlicher und neutraler Vermittler im
israelisch-palästinensischen Konflikt zu werden? Wer die Tücken und Tricks
der Nahostpolitik kennt, weiß, dass dem nicht ganz so ist. Kurzum: Israel
hat den verabschiedeten Text positiv kommentiert, da man – aufgeschreckt
durch den ursprünglichen Entwurf der schwedischen Präsidentschaft weitaus
Ärgeres befürchtet hat. Und die Palästinenser sehen wieder im Text alle ihre
wesentlichen Forderungen enthalten, wenngleich zum Teil in indirekter und
verklausulierter Weise. Somit haben die EU-Außenminister wieder einmal das
Kunststück zusammengebracht, Formulierungen zu finden, die zwar für
Informierte alle wichtigen Komponenten einer dauerhaften Lösung des
Konfliktes enthält, aber eben in einer Weise, die gewisse Reizworte (z.B. Al
Quds/Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines eigenen palästinensischen Staates)
vermeidet und daher – je nach Position und Wollen – Interpretationen
zulässt. Nach einer prägnanten Einschätzung der Erklärung befragt, fällt mir
der Spruch vom halbleeren bzw. halbvollen Glas ein.
Ob diese Erklärung (sie ist im vollen Wortlaut auf der Webseite des
Europäischen Rates zu finden: http://www.consilium.europa.eu/Newsroom) einen
Fortschritt in der traditionell widersprüchlichen und unentschlossenen
europäischen Nahostpolitik bedeutet, werden – frei nach dem Spruch „An ihren
Taten werdet ihr sie erkennen“ - die kommenden Wochen und Monate zeigen.
Vereinfacht könnte man sagen – und dafür ist ja die jüngste EU-Erklärung ein
neuerliches Beispiel - , dass die wesentlichen Elemente einer dauerhaften
Friedenslösung seit Jahren auf dem Tisch liegen, sie werden auch in der
Erklärung genannt, nämlich die diversen Konzepte und Pläne von den
Vorschlägen der internationalen Friedenskonferenz in Madrid 1991 bis zur
Arabischen Friedensinitiative. Worum es seit langem geht, ist der
Implementierungsmechanismus, vor allem aber der Wille dazu. Und hier ist
einfach die israelische Haltung aber auch die Zur-Kenntnisnahme derselben
durch die Internationale Staatengemeinschaft (hier sind in erster Linie die
USA aber schon in zweiter Linie Europa zu nennen!) zu kritisieren. Israel
anerkennt manche – nicht alle und dann auch sehr oft nur verbal – dieser
Vorschläge, unternimmt aber kaum etwas, um diese umzusetzen. Im Gegenteil,
man unternimmt in der Praxis alles, um die meisten dieser Vorschläge zu
unterlaufen und durch einseitige zumeist auch völkerrechtswidrige Maßnahmen
(Errichtung der Siedlungen, Bau der Mauer etc.) Fakten vor Ort zu schaffen,
die eine friedliche politische Lösung mehr und mehr unmöglich machen. Das
Konzept Israels – und das nicht erst seit der amtierenden ultrarechten
Regierung – liegt ganz eindeutig in Verzögerung und Zeitgewinn. Dies ist
sicherlich auch den europäischen Außenministern und den Verantwortlichen im
Europäischen Rat und in der Kommission bekannt, es ist also die
entscheidende Frage, ob man sich diese Politik der permanenten Verzögerung
bei gleichzeitiger Schaffung von friedensfeindlichen Fakten vor Ort
weiterhin gefallen lässt. Und damit bin ich wieder bei meinem Bild des
halbleeren-halbvollen Glases……
Fritz Edlinger
9.12.2009
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