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Sind israelische Populisten besser als europäische?
Einige Denkanstöße zu Martin Engelbergs Kommentar in „Die Presse“ vom
4.4.2009
Von Fritz Edlinger
Avigdor
Lieberman Außenminister? Von Martin Engelberg
Jetzt wissen wir es: Es gibt Populisten und Populisten.
Zumindest ist dies der Eindruck, der sich bei mir nach Lektüre des
Gastkommentars von Martin Engelberg eingestellt hat. Übrigens befindet er
sich damit in ganz guter Gesellschaft, Hillary Clinton hat ihrem neuen
israelischen Kollegen telefonisch gratuliert, im Spiegel-Online werden
Nahostexperten zitiert, die meinen, dass man diesen verbalradikalen Rabauken
schon „einbinden“ und „erziehen“ werde. Engelberg verwendet in seinem
Kommentar sehr oft die Frageform, die relativierende Grundaussage bleibt
aber. Warum dieses tolerante Entgegenkommen anderen verbalradikalen
Populisten, da gibt es in Europa, auch in Österreich, doch eine Menge davon,
verwehrt wird, ist eine Frage, die im gegenständlichen Kommentar leider
nicht beantwortet wird. Es gibt also solche und solche. Israelische
Rassisten sind also offensichtlich anders zu bewerten und zu behandeln als
französische, belgische oder gar österreichische. – Eine Einstellung, der
ich nur auf das Schärfste entgegentreten kann. Für mich sind rassistische
Populisten entschieden zu verurteilen, ganz egal welche Nationalität
und/oder Religion sie haben.
Wer die ersten öffentlichen Auftritte Liebermans nach
seiner Angelobung verfolgt hat, sieht jedenfalls keinerlei Anzeichen für
Mäßigung. Hier werden die Polit-Psychiater noch viel Arbeit haben. Und eines
war bereits am ersten Tag klar: Dieser Außenminister wird sich nicht
irgendwelchen Anweisungen und Vorgaben seines Ministerpräsidenten
unterwerfen. Er wird die Themen und vor allem den Stil vorgeben, schließlich
hat er es jederzeit mit seinen 15 Knessetmitgliedern in der Hand, diese
höchst merkwürdige Regierung aus dem Amt zu jagen.
Doch zurück zu Martin Engelbergers Text. Es gäbe dazu
viel zu kommentieren und zu korrigieren, ich möchte mich zunächst lediglich
auf zwei Punkte konzentrieren:
Da ist einmal die Feststellung, die verschiedenen
vergangenen israelischen Regierungen hätten alles für einen Frieden mit den
Palästinensern getan, es sei lediglich an deren Unwillen gescheitert. Dieser
Vorwurf entspricht ziemlich exakt der offiziellen Meinung Israels, er wird
so nicht einmal von den engsten israelischen Alliierten geteilt, wenn man
sich beispielsweise die massive jüngste Kritik von Hillary Clinton an der
völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik Israel in Erinnerung ruft. Die
unzähligen UN-Resolutionen, inklusive dem Gutachten zum Bau des
„Sicherheitszaunes“ durch den Internationalen Gerichtshof, und ähnliche
Verurteilungen durch andere internationale Organisationen scheinen Herrn
Engelberg entweder nicht geläufig zu sein oder werden in einer Art der
polit-psychologischen Verdrängung einfach ignoriert.
In ihrer unausgesprochenen Ambivalenz noch bedenklicher
finde ich den abschließenden Hinweis auf mögliche Bevölkerungsentwicklungen
in Israel. Es kann Herrn Engelberg sicherlich nicht entgangen sein, dass
gerade dieses Thema einer der Hauptslogans in der rassistischen Wahlkampagne
Liebermans gewesen ist. In seinem Gastkommentar schreckt er nicht einmal
davor zurück, die von Lieberman und seinen rechtsradikalen Anhängern in den
letzten Monaten bis zum Überdruss missbrauchten Forderung nach einer
unbedingten Loyalität der israelischen Araber zu erwähnen. Er kleidet diese
höchst gefährliche Drohung (dass Lieberman ja bereits auch die gewaltsame
Abschiebung von „illoyalen“ Palästinensern verlangt hat, sollte in diesem
Zusammenhang nicht unter den Tisch fallen!) zwar wiederum elegant in eine
Wiedergabe von objektiven statistischen Fakten, aber dass er damit ein
höchst gefährliches, ja rassistisches Argument aufnimmt, kann ihm wohl nicht
entgangen sein.
Dieser Gastkommentar hat eines nachdrücklich in
Erinnerung gebracht: Mehr und mehr erschweren innerisraelische politische
Entwicklungen einen wirklichen und fairen Friedensdialog zwischen Israel und
den Palästinensern. Figuren wie Avigdor Lieberman stellen inzwischen ein
weitaus größeres Hindernis für eine gewaltlose und diplomatische Lösung dar
als die – ohnedies schwache – Führung der Palästinenser. Und dass dieser
verbalradikale Populist nun die Außenpolitik Israels bestimmt, lässt Ärgstes
befürchten. Und dass dies liberale europäische Juden offensichtlich kaum
stört, sollte nachdenklich stimmen.
Fritz Edlinger ist Generalsekretär der
„Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ und Herausgeber der
Zeitschrift INTERNATIONAL. |