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Im Zentrum des Buches steht die Frage, wie sich die ökonomischen Sanktionen auf das alltägliche Leben im Irak auswirkten. Wem nützte das Programm wirklich? Welche Rolle spielte der Sicherheitsrat und in ihm die einzelnen Mitgliedsstaaten? Und gab und gibt es Alternativen zur Irak-Politik der UN?
Bei der Beantwortung dieser Fragen
greift Graf Sponeck auf bislang unveröffentlichte interne UN-Dokumente
zurück. Auf der Basis dieses Materials und nach Auswertung von zahlreichen
Gesprächen mit irakischen Politikern (darunter Saddam Hussein),
UNEntscheidungsträgern (wie Generalsekretär Kofi Annan), Mitgliedern des
UN-Sicherheitsrates und vor allem mit der vor Ort betroffenen irakischen
Bevölkerung ist es dem Autor möglich, ein detailliertes Bild der
Sanktionspolitik und ihrer Folgen sowie der innenpolitischen Lage zu
zeichnen. Nicht zuletzt die politischen Erfahrungen, die Graf Sponeck
während seiner langjährigen Tätigkeit für die UN sammelte, verleihen seiner
Analyse der Fakten und seiner Bewertung der politischen Zusammenhänge
erhebliches Gewicht. Als UN-Koordinator für die Umsetzung des »Öl für
Lebensmittel«- Programms zuständig, stellte Graf Sponeck sich schon damals
auf die Seite der Bevölkerung und scheute nicht den Konflikt mit den
Regierungen der USA und Großbritanniens und Vorgesetzten in der UN-Zentrale
in New York. So überließ er dem UN-Sicherheitsrat und den Vertretungen der
USA und Großbritanniens bei den Vereinten Nationen Fotomaterial über die
Folgen der alliierten Bombenangriffe und Sonderberichte über das Leid der
Menschen. Anfang 2000 trat Hans-C. Graf Sponeck
von dem UN-Posten zurück, weil er die durch Krieg und Sanktionen verursachte
Verarmung der Menschen aus humanitären und menschenrechtlichen Gründen nicht
mittragen wollte.
Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen vor Ort und auf den Schauplätzen der internationalen Politik benennt Graf Sponeck die bestehenden politischen Optionen für eine humanitäre Gestaltung des UN-Engagements im Irak. Diese Anregungen, ebenso wie seine Kritik der bisherigen Politik, werfen letztlich die Frage nach einer umfassenden Reform der Vereinten Nationen auf. Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte eines Landes und zu der Rolle der Vereinten Nationen in dem wohl herausragendsten internationalen Konflikt der jüngsten Zeit.
Hans-C. Graf Sponeck, M.A. (Demographie und Anthropologie), war mehr als 30 Jahre für die Vereinten Nationen tätig, von 1998 bis 2000 als UN-Koordinator und beigeordneter UN-Generalsekretär verantwortlich für das Programm »Öl für Lebensmittel« im Irak, Rücktritt im Februar 2000, seitdem Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten nichtstaatlicher Organisationen in der Schweiz, Italien und den USA, Berater für multilaterale Fragen und Konsultant für Nachwuchsförderung im internationalen Dienst.